Brief an die Aktionäre

Sehr geehrte Damen und Herren,

das vergangene Jahr war weltweit durch die gravierendste Wirtschaftskrise seit 1929 geprägt. Unternehmen, ja vollständige Industriezweige wurden dadurch in ihrer Existenz bedroht. Inzwischen gehen Prognosen davon aus, dass der wirtschaftliche Abschwung seinen Boden gefunden hat und im kommenden Jahr die Weltwirtschaft allmählich wieder wachsen wird. Es bleibt abzuwarten, ob eine Erholung der Märkte kurzfristig durch einen nachlaufenden Anstieg der Arbeitslosigkeit noch gedämpft werden wird.

Die erfolgreiche Entwicklung unserer touristischen Aktivitäten im verkürzten Geschäftsjahr 2009 zeigt eindrucksvoll, dass wir in unserem Kerngeschäft strukturell richtig aufgestellt sind. Mit den im Hinblick auf das eingetrübte Konsumklima rechtzeitig verringerten Kapazitäten konnten wir ein operatives Ergebnis von 696 Mio. € in der Touristik erzielen und damit das Niveau des Vorjahres übertreffen.

Das, gemessen an dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld, gute Abschneiden unserer Touristik-Sparte belegt, dass die Gründung von TUI Travel der richtige Schritt war. Mit großer Entschlossenheit und Konsequenz haben wir zwei starke Organisationen zusammengeführt. Hieraus werden wir nachhaltig Synergien in Höhe von jährlich 200 Mio. Britische Pfund erzielen. Vor allem die Konsolidierung in Großbritannien, einem unserer wichtigsten touristischen Märkte, hat dazu bei­getragen, im Krisenjahr 2009 Ergebnisverbesserungen zu erzielen.

Mit starken Marken und Marktpositionen und einem einzigartigen Portfolio an differenzierten Produkten ist unser Konzern heute
hervorragend aufgestellt. Für das Rumpfgeschäftsjahr 2009 haben
wir uns mit einer margenorientierten Kapazitätspolitik frühzeitig auf einen Nachfragerückgang vorbereitet und dadurch unsere Ergebnisziele erreicht. Viele unserer Wettbewerber verfolgen inzwischen eine ähnliche Margenorientierung, so dass sich in den großen europäischen Quellmärkten kein deutliches touristisches Überangebot gebildet hat – obwohl die Nachfrage durch das schwierige wirtschaftliche Umfeld gedämpft war. Nach Jahren einer sehr starken Wachstumsorientierung hat sich die Touristik jetzt zu einer renditeorientierten Industrie gewandelt, sie ist „erwachsen“ geworden.

Im ersten Quartal 2009 haben wir den Verkauf der Hapag-Lloyd AG an das Hamburger Konsortium abgeschlossen und uns im Gegenzug mit 43,33 % an der Erwerbergesellschaft „Albert Ballin“ beteiligt. Ausgelöst durch die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entstanden im weiteren Verlauf des Jahres operative Ergebnisbelas­tungen in der Containerschifffahrt. Diese machten zusätzliche Kapital- und Finanzierungsmaßnahmen aller Gesellschafter erforderlich, um die Hapag-Lloyd AG langfristig finanziell zu stabilisieren. Zeitgleich legte Hapag-Lloyd ein eigenes Maßnahmenprogramm auf, das die operativen Kosten deutlich reduziert.

Die zugesagten Sanierungsbeiträge der Gesellschafter und der Hapag-Lloyd AG schufen die Voraussetzung für die Gewährung einer Staatsbürgschaft. Am 6. Oktober 2009 lag die endgültige Zusage der Bundesregierung für die beantragte Staatsbürgschaft für einen zusätzlichen Kreditrahmen in Höhe von 1,2 Mrd. € vor. Aus unserer Sicht ist damit ein wesentlicher Schritt gelungen, um unser finanzielles Engagement in einem Gesamtvolumen von 2,6 Mrd. € abzusichern.

Auf Grund der noch in der Hapag-Lloyd gebundenen Mittel liegt der Fokus der TUI AG daher auf einem wertmaximierenden Management unseres Beteiligungsportfolios und gleichzeitig der Sicherung und Stärkung unserer Liquiditätsposition. Hierbei stehen zwei Maßnahmen im Vordergrund:

  • Wertmaximierendes Management der indirekten Finanzbeteiligung an der Hapag-Lloyd AG:

    Wir werden das eingeleitete Restrukturierungsprogramm der Hapag-Lloyd zur Bewältigung der Krise in der Containerschifffahrt unterstützen. Wir werden aber auch Optionen prüfen, um das in der Hapag-Lloyd AG gebundene finanzielle Engagement der TUI AG zu reduzieren.
     
  • Asset Streamlining nicht betriebsnotwendiger bzw. nicht strategischer Vermögenswerte:

    Um neben einer angemessenen Liquiditätsreserve der TUI AG finanzielle Spielräume für die strategische Entwicklung des Konzerns zu generieren, haben wir ein Maßnahmenprogramm (Asset Streamlining) definiert, das bei der TUI AG bis 2012 Mittelzuflüsse in Höhe von rund 500 Mio. € generieren soll. Geplant sind zum Beispiel die Refinanzierung von Vermögenswerten im Eigentum der TUI AG wie Kreuzfahrtschiffe und Hotels sowie der Verkauf nicht be­triebsnotwendiger Immobilien. Das Asset-Streamlining-Programm stärkt die Liquiditätsposition und erhöht unseren Handlungsspielraum für die Weiterentwicklung der TUI AG, ohne dass wir unternehmerische Optionen aufgeben.

Der TUI Konzern umfasst heute die Mehrheitsbeteiligung an TUI Travel, ein attraktives Portfolio von gut 240 Hotels sowie einen wachsenden Kreuzfahrtbereich. Damit wollen wir die operative Ertragskraft des Konzerns weiter steigern. Um nachhaltig eine Rentabilität oberhalb der Kapitalkosten zu erreichen, wollen wir insbesondere weiter Synergien bei TUI Travel realisieren in Verbindung mit einem aktiven Management des inves­tierten Kapitals.

Durch die Platzierung einer Wandelanleihe von 218 Mio. € im November 2009 haben wir die Liquidität der TUI AG gestärkt. Das Asset-Streamlining-Programm und die Fortsetzung unserer restriktiven Investitionspolitik sollen sowohl die Nettoverschuldung der TUI AG als auch des Konzerns weiter verringern, unser Credit Rating verbessern sowie Spielraum für die strategische Entwicklung des Konzerns er­­öffnen.

Unser Ziel ist es, dadurch den Wert der TUI Aktie zu steigern und unseren Aktionären mittelfristig wieder eine angemessene Dividende zahlen zu können.

Wir bitten Sie, uns vertrauensvoll auf diesem Weg zu begleiten.

Dr. Michael Frenzel,
Vorstandsvorsitzender