Rede des Vorstandsmitglieds der TUI AG Reiner Feuerhake Bilanzpressekonferenz am 31. März 2004
– Es gilt das gesprochene Wort –
Meine Damen und Herren,
Herr Dr. Frenzel hat Ihnen bereits die Ergebnisse unseres Konzernabschlusses vorgestellt. Ich will Ihnen nun wesentliche Positionen und Veränderungen etwas detaillierter darstellen und erläutern.
Wie Herr Dr. Frenzel schon ausführte: Unser Konzernabschluss 2003 steht ganz im Zeichen erhöhter Transparenz und nimmt zukünftige Entwicklungen internationaler Rechnungslegungsstandards vorweg:
- Wir haben IAS Standards, die erst ab 2005 verbindlich werden, bereits heute angewendet.
- Wir haben unter anderem in Folge unserer strategischen Entscheidungen zur Neuordnung der Logistik die Geschäfts- und Firmenwerte den Segmenten zuordnen können.
- Wir haben im Zuge dieser Zuordnung die Geschäfts- und Firmenwerte äußerst vorsichtig bewertet und einen Wertansatz erreicht, mit dem wir für die Zukunft gut aufgestellt sind.
- Wir haben durch die neue Detaillierung unserer Segmentberichterstattung die Transparenz in unserem Zahlenwerk erhöht.
- Und wir haben unseren Lagebericht mit zusätzlichen Informationen versehen, die die Beurteilung unseres Geschäftes weiter verbessern.
Anwendung neuer IAS Standards
Lassen Sie mich zunächst die Neuerungen erläutern, die sich aus der Anwendung der neuen, erst im Dezember 2003 verabschiedeten IAS Standards ergeben haben:
Durch die Anwendung des in 2003 überarbeiteten Standards IAS 1 hat sich das Bild der Gewinn- und Verlustrechung verändert. Dies ist auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig. Für unsere Segmentberichterstattung bedeutet dies aber eine deutlich größere Detaillierung der Ergebnisstrukturen und damit eine Verbesserung der Transparenz.
Unsere Berichtsgröße bleibt aber weiterhin das Ergebnis der Sparten vor Ertragsteuern und Abschreibungen auf Geschäfts- oder Firmenwerte (EBTA). Eine Veränderung, die wichtig für Ihre Beurteilung unseres Ergebnis der Sparten des Jahres 2003 ist, resultiert dabei aus dem erstmalige Ausweis der betrieblichen Steuern in diesem Ergebnis.
Das Ergebnis der Sparten erreichte, wie bereits dargestellt, 913 Mio. €. Nach alter Rechnung hätte es 956 Mio. € betragen und wäre damit um 43 Mio. € höher ausgefallen. Die Differenz setzt sich aus den betrieblichen Steuern (Effekt - 55 Mio. €) und verschiedenen Abschreibungen, die sachgerecht umzugliedern waren (Goodwill-Abschreibungen auf at-equity-bewertete Unternehmen und aus Asset-Deals, Effekt + 12 Mio. €), zusammen.
Ergebnis des Zentralbereichs
Herr Dr. Frenzel hat die Entwicklung der Ergebnisse in den Sparten kommentiert. Ich will an dieser Stelle im Einzelnen auf das Ergebnis des Zentralbereichs eingehen.
Wesentlichen Einfluss auf seine Höhe hatte das Abgangsergebnis aus dem Verkauf des Energie-Bereichs. Insgesamt haben die Desinvestitionen des Geschäftsjahres 2003 zu ungewöhnlichen Erträge von 930 Mio. € geführt. Davon entfielen 730 Mio. € auf den Verkauf der Preussag Energie GmbH und 200 Mio. € auf den Verkauf der indirekten Beteiligung an der Ruhrgas AG. Die Abwicklung bereits erfolgter und noch geplanter Desinvestitionen ist mit latenten Risiken verbunden, für die wir Vorsorgen getroffen haben. Daraus resultieren die ungewöhnlichen Aufwendungen von 259 Mio. €.
Der Nettoeffekt der ungewöhnlichen Aufwendungen und Erträge auf das Ergebnis des Zentralbereichs betrug 671 Mio. €.
Das Zinsergebnis des Zentralbereichs verbesserte sich erheblich: Es betrug - 140 Mio. € (nach - 221 Mio. € im Vorjahr). Hierin sehen Sie deutlich die positiven Auswirkungen des Abbaus unserer Verschuldung, zu dem der Verkauf des Energie-Bereichs den wesentlichen Beitrag geleistet hat.
Die Kosten des Zentralbereichs, die hauptsächlich die Corporate-Center-Kosten der TUI AG beinhalten, sind ebenfalls zurückgegangen. Sie betrugen 143 Mio. € (nach 155 Mio. € im Vorjahr). Hier beginnen sich unsere in 2003 auch in der Zentrale durchgeführten Kostensenkungsmaßnahmen auszuwirken. Voll profitieren werden wir von Ihnen allerdings erst ab dem laufenden Geschäftsjahr, da zum Beispiel die getroffenen Personalmaßnahmen zunächst noch Kosten verursacht haben.
Geschäfts- oder Firmenwerte (Goodwill)
Nun zu dem zweiten Bereich der Neuerungen in diesem Konzernabschluss, der Zuordnung der Geschäfts- oder Firmenwerte zu den einzelnen Segmenten und ihre aktuelle Bewertung. Letztere wird sich positiv auf die zukünftigen Ergebnisse des Konzerns auswirken.
Dazu zunächst eine Vorbemerkung: Im Zuge des Umbaus des Konzerns zum europäischen Marktführer in der Touristik haben wir eine große Anzahl von Unternehmen erworben; so zum Beispiel in 1997 die Hapag-Lloyd AG, die sowohl Aktivitäten in der Touristik als auch in der Logistik hatte. Wir haben aus Ihnen neue Geschäftseinheiten gebildet, bestehende Einheiten restrukturiert und Synergien gehoben. Und schließlich haben wir dann im Herbst des vergangenen Jahres die inländischen touristischen Aktivitäten gesellschaftsrechtlich aus der Hapag-Lloyd AG lösen können. Während dieses Prozesses war eine Aufteilung der Geschäfts- oder Firmenwerte aus diesen Erwerben nicht sachgerecht möglich.
Mit der gesellschaftsrechtlichen Neuordnung und unserer Entscheidung zur Fokussierung der Logistik geht der Wandel des Konzerns mit großen Schritten seiner Vollendung entgegen. Die Geschäftsstrukturen in unserem Kerngeschäft Touristik sind gefestigt und in der Logistik ist absehbar, welche Einheiten langfristig zum Konzern gehören werden. Erst auf dieser Grundlage und damit auch erst im Konzernabschluss 2003 konnten wir die Geschäfts- oder Firmenwerte sachgerecht aufteilen.
Danach haben wir die Geschäfts- oder Firmenwerte Einheit für Einheit einem strengen Impairmenttest unterzogen. Bei den Maßstäben, die wir für diese Tests angelegt haben, haben wir uns auch davon leiten lassen, dass aller Voraussicht nach der ab 2005 zwingend anzuwendende Impairment-only-Ansatz keine planmäßigen Abschreibungen auf Geschäfts- oder Firmenwerte mehr vorsieht.
Auf Grund der Ergebnisse unserer Impairmenttests haben wir neben den planmäßigen Abschreibungen der Geschäfts- oder Firmenwerte in Höhe von 284 Mio. € außerplanmäßige Wertminderungen von 383 Mio. € vorgenommen. Insgesamt betrugen die Abschreibungen auf Geschäfts- oder Firmenwerte, die ergebniswirksam geworden sind, 667 Mio. €.
Die außerplanmäßigen Wertminderungen betrafen fast ausschließlich den Bereich Europa Nord unserer Touristik-Sparte, und hier in erster Linie unser Geschäft in den Nordischen Ländern. Sie sind jedoch kein Indiz dafür, dass unsere Geschäfte in den betroffenen Einheiten heute schlecht laufen und die Aussichten negativ sind. Als Beispiel seien die Aktivitäten in den Nordischen Ländern genannt, wo die Buchungszahlen nach zwei schlechten Jahren wieder deutlich positiv sind.
Besonders wichtig ist mir aber folgender Hinweis: Unsere Kerngeschäfte in den großen Märkten Deutschland und Großbritannien - mit den Marken TUI und Thomson Holidays - haben ihre Impairmenttests mit Bravour bestanden. Das heißt im Klartext: Strategische Preise, die wir bei ihrem Erwerb bezahlt haben, sind auch heute noch gerechtfertigt.
Infolge der Zuordnung der Geschäfts- oder Firmenwerte auf die Sparten waren als weitere Neuerung in unserem Konzernabschluss die Geschäfts- oder Firmenwerte in der Landeswährung der erworbenen Tochterunternehmen zu bilanzieren. Die Anwendung dieser IAS-Vorschrift führte zu einer zusätzlichen erfolgsneutralen Reduzierung der Geschäfts- oder Firmenwerte um 371 Mio. € auf Grund der Währungsdifferenzen zwischen dem Erwerbszeitpunkt und dem Bilanzstichtag 2003. Betroffen davon waren vor allem die Geschäfts- oder Firmenwerte des Bereichs Europa Nord, bedingt durch die Kursverluste des britischen Pfund gegenüber dem Euro, insbesondere im Geschäftsjahr 2003.
Diese währungsbedingte Wertminderung der Geschäfts- oder Firmenwerte war erfolgsneutral mit dem Eigenkapital zu verrechnen. Dies hatte jedoch keinen negativen Einfluss auf die Eigenkapitalquote. Sie stieg sogar um 0,8 Prozentpunkte auf 21,3 %, da durch die Verkäufe des Energie-Bereich und der AMC-Gruppe die Bilanzsumme zurückging und sich die Bilanzstrukturen veränderten.
Steuerposition
Eine weitere Besonderheit unseres Konzernabschlusses 2003 ist die Steuerposition, die negative Ertragsteuern von 69 Mio. € ausweist.
Um Mißverständnisses vorzubeugen: Wir haben sehr wohl Ertragsteuern gezahlt, und zwar insgesamt 102 Mio. €. Diese Steuern fielen nahezu ausschließlich im Ausland an. Dass die inländischen Ertragsteuern in 2003 gering waren, hat im wesentlichen drei Gründe:
- Erstens haben wir in der Touristik in Deutschland nur bescheidene steuerbare Ergebnisse erzielt.
- Zweitens unterliegt unser Geschäft in der Schifffahrt der branchentypischen Tonnagesteuer, das heißt einer so genannten Substanzbesteuerung.
- Und drittens waren die Erlöse aus unseren Desinvestitionen entsprechend den steuerlichen Vorschriften nicht steuerbar.
Entscheidend für die negative Steuerposition waren ausschließlich Veränderungen, die wir bei der Ermittlung der latenten Steuern berücksichtigen mussten.
Sie resultierten im Wesentlichen aus konzerninternen Umstrukturierungen, die wir im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Neuordnung der Hapag-Lloyd vorgenommen haben. Dies hat dazu geführt, dass wir 171 Mio. € der Rückstellungen, die wir für latente Steuern gebildet hatten, auflösen mussten.
Ergebniskennzahlen
Lassen Sie mich zum Abschluss noch einmal auf die Neuerungen in unserem Konzernabschluss zurückkommen:
Wie bereits gesagt, werden wir am Ergebnis vor Ertragsteuern und Abschreibungen auf Geschäfts- oder Firmenwerte (EBTA) im Geschäftsjahr 2004 als Berichtsgröße festhalten. Mit dem vorliegenden Geschäftsbericht geben wir Ihnen erstmals weitergehende Ergebniszahlen, wie EBT, EBITDA und EBITDAR, das heißt um Ertragsteuern, Zinsergebnis, Abschreibungen und Mietaufwendungen bereinigte Ergebnisgrößen nicht nur für den Konzern sondern im Einzelnen für die Segmente unseres Geschäftes.
Dies wird Ihnen die Beurteilung der Ertragskraft unserer Geschäfte, aber auch den Vergleich mit unseren börsennotierten Wettbewerbern erleichtern. Ich hoffe, dass bei dieser Detaillierung unserer Ergebnisrechnungen nur noch wenige Sonderwünsche offen geblieben sind.
