TUI Aktiengesellschaft
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Rede Rainer Feuerhake
Pressekonferenz 23. März 2005 Rede Rainer Feuerhake, CFO

Pressekonferenz 23. März 2005 Rede Rainer Feuerhake, CFO

– Es gilt das gesprochene Wort –

Meine Damen und Herren,

Herr Dr. Frenzel hat Ihnen bereits die Ergebnisse des Jahres 2004 vorgestellt. Ich will Ihnen nun einige wesentliche Positionen unseres Konzernabschlusses etwas detaillierter darstellen.

Zunächst zu unserem Ergebnis der Sparten.

Im Zuge der Fokussierung der Logistik auf die Schifffahrt haben wir in 2004 diesen Bereich gesellschaftsrechtlich neu geordnet. Die Schifffahrtsaktivitiäten sind nunmehr unter der Hapag-Lloyd AG (neu) zusammengefasst und marktgerecht finanziert worden. Die Aktivitäten in der Speziallogistik wurden im Hinblick auf ihre Desinvestition aus der alten rechtlichen Struktur herausgelöst.

Für Vergleichszwecke haben wir daher das Zahlenwerk in unserer Segmentberichterstattung für 2003 an die neue Struktur angepasst. Für das Ergebnis der Logistik-Sparte in 2003 bedeutet dies eine Verbesserung von 9 Mio. €, die nahezu ausschließlich den Bereich Schifffahrt betrifft. Den Gegenposten hierzu finden Sie im Zentralbereich des Konzerns, der sich dadurch in 2003 um diesen Betrag schlechter darstellt.

Herr Dr. Frenzel hat bereits die Entwicklung der Ergebnisse in den Sparten kommentiert. Ich will an dieser Stelle im Einzelnen auf das Ergebnis des Zentralbereichs eingehen, das in diesem Geschäftsjahr minus 146 Mio. € betrug, nachdem im Vorjahr ein Plus von 370 Mio. € ausgewiesen wurde.

Das Ergebnis des Zentralbereichs war in der Vergangenheit wesentlich durch die ungewöhnlichen Aufwendungen und Erträge geprägt, die hauptsächlich durch die Desinvestitionen in den jeweiligen Zeiträumen entstanden.

Im Geschäftsjahr 2004 betrug der Nettoeffekt aus ungewöhnlichen Aufwendungen und Erträgen 132 Mio. € und resultierte ausschließlich aus der Einstellung von Bereichen. Den wesentlichen Beitrag leisteten dabei die Erträge aus dem Verkauf der Algeco-Gruppe. Insgesamt entstand aus den Desinvestitionen des Bereichs Speziallogistik ein Ertrag von 146 Mio. €. Aus der Auflösung und Bildung von Vorsorgen im Zusammenhang mit Desinvestitionen entstand per Saldo ein Aufwand von 14 Mio. €.

Die Kosten des Zentralbereichs, die im Wesentlichen die Corporate-Center-Kosten der TUI AG beinhalten, ging auf 120 Mio. € zurück (nach 143 Mio. € im Vorjahr).

Das Zinsergebnis des Zentralbereichs war mit –178 Mio. € (nach –135 Mio. €) höher als im Vorjahr. Wesentliche Ursache hierfür war das negative Ergebnis aus der Auflösung von Zinssicherungsinstrumenten im Zusammenhang mit den im ersten Halbjahr durchgeführten Refinanzierungsmaßnahmen.

Als weiterer Posten im Zentralbereich waren die sonstigen Aufwendungen und Erträge in diesem Jahr mit 69 Mio. € (Vorjahr plus 39 Mio. €) positiv. Sie betrafen die Ergebnisse sonstiger Gesellschaften und die Bewertung von Vermögensgegenständen. Davon entfiel ein größerer Teil auf die Auflösung von nicht mehr benötigten Vorsorgen, die in Vorjahren unter anderem im Zusammenhang mit dem Verkauf von Immobilien gebildet wurden.

Bei den im Aufbau befindlichen Niedrigpreis-Fluggesellschaften Hapag-Lloyd Express (HLX) und Thomsonfly, die in 2004 noch im Zentralbereich geführt wurden, entsprach das Ergebnis mit minus 49 Mio. € (Vorjahr minus 62 Mio. €) den Erwartungen. Das galt sowohl für die Anlaufkosten der im April 2004 gestarteten Thomsonfly als auch für den Ergebnisbeitrag von HLX. HLX hat im 3. Quartal 2004 erstmals ein positives Ergebnis erwirtschaftet. Wir gehen davon aus, dass das Ergebnis von HLX in 2005 insgesamt positiv ausfällt.

Als nächstes will ich Ihnen einige Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung geben.

Der Konzernjahresüberschuss erreichte im abgelaufenen Geschäftsjahr 532 Mio. € (nach 315 Mio. €) und liegt damit, insbesondere operativ getrieben, um 217 Mio. € über dem Vorjahr.

In der Entwicklung ist einer der Unterschiede im Vergleich zum Vorjahr die Höhe des Nettoeffekts aus ungewöhnlichen Aufwendungen und Erträgen, der in 2004 mit 132 Mio. € um 539 Mio. € geringer ausfiel als im Vorjahr, als er durch den Verkauf des Energie-Bereichs mit 671 Mio. € außerordentlich hoch war.

Des Weiteren sind Abschreibungen auf Geschäfts- oder Firmenwerte in Anwendung der neuen IFRS-Vorschriften in 2004 planmäßig nicht mehr verrechnet worden. Zu außerplanmäßigen Abschreibungen gaben die am Jahresende durchzuführenden Werthaltigkeitstests in 2004 keinen Anlass. Im Vorjahr waren noch Abschreibungen auf Geschäfts- und Firmenwerte von insgesamt 667 Mio. € vorgenommen worden.

Bei den Ertragsteuern entstand ein Aufwand von 90 Mio. €, der bei einem latenten Steueraufwand von 4 Mio. € auch nahezu den zu zahlenden Steuern entsprach. Im Vorjahr war durch die latenten Steuern ein Steuerertrag von 69 Mio. € angefallen.

Der Ertragsteueraufwand im Konzern ist mit etwa 20 % vergleichsweise niedrig. Wesentliche Gründe dafür sind: Zum einen die Erlöse aus unseren Desinvestitionen, die entsprechend der steuerlichen Vorschriften nur geringfügig steuerbar waren, und zum anderen die Art der Besteuerung unseres Geschäftes in der Schifffahrt, das der branchentypischen Tonnagesteuer – das heißt einer so genannten Substanzbesteuerung – unterliegt.

Per Saldo haben die Veränderungen der drei Position: ungewöhnliche Aufwendungen und Erträge, Goodwill-Abschreibungen und Ertragsteuern nur einen positiven Effekt von rund 30 Mio. €. Das zeigt deutlich, dass die Verbesserung des Konzernjahresüberschusses nahezu ausschließlich operativ getrieben ist.

Abschließend komme ich zu wesentlichen Bilanzpositionen.

Die Bilanzsumme des Konzerns nahm auf 12,3 Mrd. € ab. Dies resultierte hauptsächlich aus der Veränderung des Konsolidierungskreises, insbesondere aus dem Verkauf der Aktivitäten in der Speziallogistik. Das Eigenkapital nahm durch den Anstieg der Gewinnrücklagen auf 3 Mrd. € zu. Als Ergebnis stieg die Eigenkapitalquote auf 24,3 %.

Auf der Passivseite der Bilanz veränderten sich die Finanzverbindlichkeiten zudem durch die Rückführung der Verschuldung und die Verlängerung der Fristigkeiten.

Mit den Erlösen aus den Desinvestitionen haben wir unsere Netto-Verschuldung auf 3,25 Mio. € zurückgeführt. Wir sind in 2004 mit unserem Desinvestitionsprogramm gut vorangekommen und wollen es im laufenden Jahr vollenden. Aus dem Bereich Speziallogistik ist noch die VTG AG mit ihren Aktivitäten in der Schienen- und Tankcontainerlogistik verblieben. Hier ist der Verkaufsprozess bereits fortgeschritten und wir gehen davon aus, dass er – abhängig von möglicherweise erforderlichen wettbewerbsrechtlichen Genehmigungen – im ersten Halbjahr abgeschlossen werden kann.

Für die PNA-Gruppe, die in den USA im Stahlservicegeschäft tätig ist, ist mit den Vorbereitungen des Desinvestitionsprozesses begonnen worden. Hier sollte ein erfolgreicher Abschluss bis Ende des Jahres möglich sein.

Des Weiteren stehen noch die verbliebene Heiztechnikfirma Wolf und verschiedene nicht betriebsnotwendige Immobilien zum Verkauf.

Die Umsetzung dieser Maßnahmen, ein positiver Netto-Cashflows und ein straffes Management unseres Working Capital sind erforderlich, um unsere Netto-Verschuldung auf die Zielgröße von 2 Mrd. € bringen. Dies wollen wir im Laufe dieses Jahres erreichen.

Parallel zum Abbau der Verschuldung haben wir an der Verlängerung der Fälligkeiten unserer Fremdfinanzierung gearbeitet. War es während der Phase des Konzernumbaus opportun, kurzfristige Finanzschulden aufzunehmen und dabei flexibel zu sein und von den günstigen kurzfristigen Zinsen zu profitieren, so ist jetzt nach dem Umbau der verbliebene Fremdkapitalbedarf des Konzerns längerfristig zu finanzieren.

In 2004 haben wir daher zwei Bonds begeben, eine Senior Note mit einem Volumen von 625 Mio. € und einer Laufzeit bis 2011 und eine Floating Rate Note mit einem Volumen von 400 Mio. € mit einer Laufzeit bis 2009.

Wir haben sie zusammen mit den Erlösen aus den Desinvestitionen genutzt, um unsere Wandelanleihe von 1999 und kurzfristige Finanzschulden zurückzuzahlen. Dabei handelte es sich im Wesentlichen um Bankenkredite.

Soweit zum Konzernabschluss: ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, Herr Dr. Frenzel wird Ihnen nun einen Ausblick auf das Geschäftsjahr 2005 geben.