Rede des Vorstandsvorsitzenden der TUI AG Dr. Michael Frenzel Hauptversammlung am 18. Mai 2004
Es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrte Damen und Herren,
verehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
ich begrüße Sie herzlich - auch im Namen meiner Vorstandskollegen - zur Hauptversammlung der TUI AG. Wir freuen uns, dass Sie in diesem Jahr wieder so zahlreich zu uns nach Hannover gekommen sind.
Wir begrüßen außerdem die Vertreter der Presse sowie die Schüler und Studenten, die heute als Gäste an dieser Hauptversammlung teilnehmen.
Sie kennen bereits unseren Geschäftsbericht. Wir haben den aktuellen Geschäftsbericht 2003 unter ein besonderes Motto gestellt.
"Werte schaffen Vertrauen".
Sicher haben Sie schon bemerkt, dass wir das Gestaltungskonzept des Geschäftsberichts auf das Erscheinungsbild dieser Hauptversammlung übertragen haben. Wir wollen Ihnen heute ein umfassendes Erlebnis der "Mehrwerte" vermitteln, die die TUI ihren Kunden bietet. Sie, liebe Aktionärinnen und Aktionäre, werden am Ende, d.h. im Ergebnis davon profitieren.
Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht das Vertrauen unserer Kunden. Unser Ziel ist dabei immer, die Erwartungen der Urlauber, unserer Kunden, "mehr" als nur zu erfüllen. "Vielmehr" wollen wir diese Erwartungen übertreffen.
Wir haben mit unserer Dachmarke "World of TUI" eine einzigartige Voraussetzung geschaffen. Unser TUI Zeichen steht in allen relevanten Urlaubsländern sichtbar wie ein Leuchtturm für Qualität und Lebensfreude im Urlaubsgeschäft.
Unser Logo ziert auch die Trikots der Bundesligamannschaft von Hannover 96, die am vergangenen Wochenende in ihrer zweiten Saison die Erstklassigkeit erhalten konnte. Dazu meinen herzlichen Glückwunsch. Die TUI ist erstklassig und auch die Roten von Hannover 96 bleiben erstklassig. Um 13.00 Uhr werden einige Spieler der Mannschaft gern Autogrammwünsche für Sie oder Söhne und Enkel in der Niedersachsenhalle erfüllen. Sponsoring ist ein wichtiger Bestandteil unseres Marketing. Das Logo ist eine überdurchschnittlich bekannte, respektierte und attraktive Marke - inzwischen in ganz Europa. Wenn Sie sich unser aktuelles Wettbewerbsumfeld anschauen, werden Sie feststellen, dass wir diese Alleinstellung konsequent ausgebaut haben. Unser Konzern entwickelt sich extrem dynamisch. Diesen Weg werden wir fortsetzen.
Den Grundstein für diese in der deutschen Wirtschaftsgeschichte einmalige Transformation haben wir vor sieben Jahren gelegt. Der Umbau der Preussag mit ihren unterschiedlichen industriellen Aktivitäten in das weltweit führende Touristikunternehmen TUI ist weitgehend abgeschlossen. 84 Veranstaltermarken in 18 Ländern, 3.250 Reisebüros, 287 Hotels mit rund 160.000 Betten und rund 100 Flugzeuge bilden heute die Basis für das integrierte Geschäftsmodell der TUI, dem jährlich rund 18 Millionen Kunden die schönsten Wochen ihres Jahres anvertrauen.
Mit der World of TUI haben wir einen Wert geschaffen, dem auch Sie - die Aktionäre - vertrauen können. An der Börse hat sich die TUI Aktie nach dem politisch bedingten Tiefststand von 8 Euro/Aktie zu Beginn des Vorjahres wieder deutlich erholt. Der heutige Kurs von rund 17 Euro/Aktie hat nach unserer und nach Auffassung vieler Experten Steigerungspotenzial.
2003 war ein extrem schwieriges Jahr. Vor diesem Hintergrund hat der Konzern die Herausforderungen gut gemeistert. Das zeigen auch unsere Ergebnisse, die wir in 2003 erzielt haben: Das Ergebnis der Sparten betrug 913 Millionen Euro - das ist für unseren Konzern ein außerordentlich gutes Ergebnis.
Im abgelaufenen Jahr haben wir die Neuordnung der Konzernstruktur weit vorangetrieben. Wichtige Schritte darin waren die Verkäufe des Energie-Bereichs und der AMC-Gruppe.
Wir gehen unseren Weg konsequent weiter. In der Touristik werden wir unser Geschäftsmodell kontinuierlich weiter entwickeln und neue Kundentrends aktiv aufnehmen. Die in den Vorjahren begonnenen, tiefgreifenden Kostensparmaßnahmen haben unsere Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft erhöht.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf eine wesentliche Entwicklung eingehen. Wir haben unsere Verschuldung von 6,9 Milliarden Euro in 2000 bis zum Ende 2003 annähernd halbiert und werden diese bis Ende 2005 deutlich auf unter 2 Milliarden Euro zurückführen. Mit dem Verkauf der restlichen Aktivitäten der VTG und der Algeco sowie dem geplanten Börsengang der Hapag-Lloyd AG werden wir bis 2005 den Umbau abschließen.
Die TUI AG, Ihr Unternehmen, wird dann als das europäisch, ja weltweit führende Tourismusunternehmen in seinen relevanten Märkten stark aufgestellt sein und mit ihren Schifffahrtsaktivitäten über ein weiteres, ertragstarkes Geschäft verfügen. Mit schlanken Kostenstrukturen sowie soliden Finanz- und Bilanzstrukturen sind wir hervorragend gerüstet, die künftigen Chancen in unseren Märkten wahrzunehmen.
Wir sollten alle, meine Damen und Herren, ein wenig stolz sein, dass wir in Deutschland ja hier am Standort Hannover ein Unternehmen aufgebaut haben, welches sich in einem Zukunftsmarkt positioniert hat. Ob unsere alte Preussag noch heute Bestand hätte, vermag ich zu bezweifeln.
Zunächst aber zum abgelaufenen Geschäftsjahr.
Sie sind im Besitz des Geschäftsberichts, der sehr ausführlich die Geschäftsentwicklung und den Konzernabschluss des Jahres 2003 darstellt. Ich kann mich heute zum abgelaufenen Geschäftsjahr kurz fassen. Herr Feuerhake wird Ihnen die Einzelheiten des Konzernabschlusses darlegen.
Die Konjunkturprognosen für 2003 sahen weltwirtschaftliches Wachstum und für Europa ein Ende der rezessiven Entwicklung vor, die nach den Attentaten im September 2001 eingetreten war. Stattdessen kam es zu einem Krieg im Irak mit negativen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung. In Deutschland konnte trotz einsetzender Reformen die lähmende Konjunkturschwäche nicht abgeschüttelt werden; die Stagnation der Wirtschaft hierzulande setzte sich fort. In nahezu allen für uns relevanten Märkten ging die Nachfrage nach Urlaubsreisen im ersten Halbjahr 2003 zurück mit der Folge von Überkapazitäten insbesondere im Flugbereich und eines extrem harten Wettbewerbs.
Trotz dieser ungünstigen Rahmenbedingungen ist es uns gelungen, in der Touristik mit 208 Millionen Euro ein deutlich positives Spartenergebnis auszuweisen. Nach einem schwachen ersten Halbjahr konnten wir in der zweiten Jahreshälfte deutlich zulegen. Damit sind wir eines der wenigen Unternehmen in der Touristik, die das Krisenjahr 2003 mit gutem Ergebnis abschließen konnten.
Die regionale Ergebnisentwicklung war allerdings sehr unterschiedlich.
Das Ergebnis des Bereichs Europa Mitte litt am stärksten von allen touristischen Aktivitäten des Konzerns. Mit minus 17 Millionen Euro blieb es deutlich hinter dem Vorjahr zurück. Insbesondere in Deutschland herrschte ein starker Preisdruck bei schwacher Nachfrage.
Das Ergebnis des Bereichs Europa Nord war dagegen mit 79 Millionen Euro deutlich positiv, auch wenn es das Vorjahr nicht erreichte. Die effiziente und vertikal hoch integrierte Organisation in Großbritannien dämpfte die Effekte des schwächeren Marktes, der freilich deutlich stabiler in seiner Nachfrage blieb, als der deutsche Markt. In den nordischen Ländern wirkten sich zudem die Restrukturierungserfolge der Vorjahre zum erstenmal positiv aus; unser Geschäft in Skandinavien hat sich in den letzten Monaten weiter positiv entwickelt und schreibt in 2004 wieder deutlich schwarze Zahlen.
Das Ergebnis des Bereichs West betrug 42 Millionen Euro. In der erheblichen Verbesserung gegenüber dem Vorjahr spiegelt sich der Erfolg unserer Neuausrichtung von Nouvelles Frontières wieder. Wir haben in Frankreich mit Nouvelles Frontières ein Unternehmen, welches als Marktführer erhebliches Zukunftspotenzial besitzt.
Als stabile Ertragssäule in unserem integrierten Geschäftsmodell erweisen sich wiederum unser Hotelbereich sowie die Zielgebietsagenturen, die mit zusammen 105 Millionen Euro ein gutes Ergebnis erwirtschafteten.
Insgesamt hat die Touristik klar positiv abgeschnitten und vor dem Hintergrund der Ereignisse im letzten Jahr ein noch zufriedenstellendes Ergebnis erzielt. Das Gewinnpotenzial in unserem Kerngeschäft sehen wir in einem normalisierten Marktumfeld allerdings deutlich höher.
Meine Damen und Herren,
ich bin in den letzten Wochen oft gefragt worden, warum wir deutlich besser als der Wettbewerb abgeschlossen haben?
Meine Antwort nennt drei Gründe:
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Wir sind in drei unterschiedlich großen Marktregionen regional diversifiziert. Der Nachfrageschwäche im deutschen Markt standen ein stabiler englischer und französischer Markt gegenüber, die uns geholfen haben, unter dem Strich positive Ergebnisse zu schreiben. Ohne Thomson und Nouvelles Frontières, meine Damen und Herren, wäre im Jahre 2003 unser Ergebnis erheblich schlechter ausgefallen.
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Unser integriertes Modell hat sich in der Krise des Jahres 2003 bewährt. Durch konsequente Steuerung unseres Geschäftes in die eigenen Flugzeuge und Hotels ist es uns gelungen, auch in dem extrem schwachen Marktumfeld des ersten Halbjahres unsere Auslastung hoch zu halten. Insbesondere unsere Hotelbeteiligungen haben das Ergebnis des Jahres 2003 stabilisiert. Die Tiefe der Integration ist der zweite Grund.
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Unser Modell der Integration hat zudem ausreichende Flexibilität eingebaut, um Nachfrageschwankungen zu puffern. Mit einer Eigenproduktion von rd. 65 Prozent im Flugbereich und ca. 15 Prozent im Hotelbereich können wir über den Mix von Dritt- und Eigenproduktion unser Risiko flexibel steuern. Die Flexibilität unseres Geschäftsmodells ist also unser dritter Vorteil.
Das Modell des integrierten Konzerns stand in der Krise des Jahres 2003 unter zum Teil heftiger Kritik. Integriertes Modell heißt alle Wertschöpfungsstufen einer Reise unter einem Dach: Vertrieb, Veranstalter, Flug und Hotel.
Bei der Diskussion wurde oftmals verkannt, dass die Grundidee des Modells sehr einfach ist: Wir wollen mehr sein als Händler und unsere 18 Millionen Veranstalterkunden auch für die eigenen Flugzeuge und eigenen Hotels gewinnen, also dort, wo unsere Margen am größten sind. Voraussetzung dabei ist allerdings, dass wir uns im System flexibel und auf den einzelnen Produktionsstufen kostengünstig aufstellen: Hier liegt die tägliche Herausforderung, die wir auch künftig meistern werden.
Vor diesem Hintergrund erklärt sich ganz generell unsere Innovationsbereitschaft. Wir wollen neue Kundentypen ansprechen, die wir bislang auf klassischem Weg, z.B. über Reisebüros, nicht erreicht haben. Als europäischer Marktführer müssen wir für jeden Kunden eine Lösung anbieten, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Wer Marktführer bleiben will, muss zwangsläufig Innovationsführer sein. Dieser Herausforderung stellen wir uns gern.
Soweit zunächst zum touristischen Geschäft. Nun zur Logistik.
Im Schifffahrtsmarkt herrschten deutlich günstigere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Angetrieben von einem wachsenden Welthandel profitierte die Containerschifffahrt von einem höheren Transportvolumen als auch von verbesserten Frachtraten. Die Schifffahrt erzielte ein exzellentes Ergebnis von 252 Millionen Euro und konnte ihr Vorjahresergebnis mehr als verdoppeln.
Wir haben seit unserem Kauf der HapagLloyd AG in 1997 erheblich in die Schifffahrt investiert und die Kapazitäten der Containerschifffahrt annähernd verdoppelt; dieses zahlt sich nun in dem günstigen Marktumfeld aus.
Der Ergebnisbeitrag des Bereichs Speziallogistik innerhalb der Hapag-Lloyd fiel dagegen niedriger aus als im Vorjahr. VTG-Lehnkering und Algeco spürten die schleppende Konjunktur, profitierten jedoch von ihren marktführenden Positionen und erreichten insgesamt noch zufrieden stellende Ergebnisse. Die Hapag-Lloyd AG hat ihre Ertragsstärken in der Schifffahrt, insofern ist es nur konsequent, dass wir derzeit das Unternehmen hierauf fokussieren.
Bei den sonstigen operativ tätigen Einheiten des Konzerns fiel das Ergebnis des Bereichs Handel - das waren in 2003 noch die AMC-Gruppe und das US-Stahlhandelsgeschäft - mit 12 Millionen Euro deutlich niedriger aus als im Vorjahr.
Der hohe positive Ergebnisbeitrag des Zentralbereichs von 379 Millionen Euro ist sehr wesentlich durch die Erlöse aus dem Verkauf der Energiesparte geprägt.
Vor diesem Hintergrund liegt das Ergebnis der Sparten mit 913 Millionen Euro deutlich über Vorjahr und mit einem Betrag von 315 Millionen Euro können wir auch einen stark verbesserten Jahresüberschuss des Konzerns ausweisen.
Insgesamt können wir mit dem Ergebnis des Jahres 2003 zufrieden sein, auch wenn dies operativ ein äußerst schwieriges Jahr war. Mein Dank gilt gerade deswegen den über 60.000 Mitarbeitern weltweit, die mit hohem Engagement und Geschick ihren Beitrag zur Erreichung der unternehmerischen Ziele in einem extrem schwierigen Umfeld geleistet haben.
Herzlichen Dank!
Meine Damen und Herren,
lassen Sie mich zur Zukunft kommen.
TUI steht in erster Linie für die Touristik. Daneben werden wir zukünftig die Mehrheit der Anteile einer börsennotierten Hapag-Lloyd AG halten, die auf die Schifffahrt fokussiert ist.
Zur Touristik:
Die TUI ist heute mit 12,7 Milliarden Euro Umsatz klarer Marktführer in Europa. Darüber hinaus sind wir heute der einzige Touristik-Konzern mit wirklich europäischer Aufstellung. Dies werden wir weiter ausbauen. In fast allen europäischen Quellmärkten haben wir uns in den letzten Jahren eine starke Marktposition erarbeitet. So sind wir in neun Ländern der bedeutendste Veranstalter - darunter in den wichtigsten Quellmärkten Deutschland, England und Frankreich und in weiteren 5 Quellmärkten die Nummer 2.
Vor diesem Hintergrund stellen wir fest, dass die Wahrnehmung unseres Konzerns noch immer von einer überwiegend deutschen Sichtweise geprägt ist. Liebe Aktionärinnen und Aktionäre, wenn die Zahlen in Deutschland und die damit zusammenhängende Kommentierung einmal nicht so positiv sind, so ist das nicht gleichbedeutend mit einer allgemeinen Schwäche des Konzerns. Wir machen nur noch ein Drittel des Geschäfts im deutschsprachigen Quellmarkt.
Und diese regionale Marktpräsenz werden wir weiter ausdehnen. Unsere osteuropäischen Aktivitäten z.B. in Polen, Ungarn, Slowenien werden wir weiter verstärken. Neue wichtige Märkte entstehen in Russland und China. In China haben wir eine Partnerschaft mit China Travel Service aufgenommen. Mit der Entwicklung des Veranstaltergeschäftes für Reisende aus China haben wir vor einigen Monaten begonnen. In Russland sind wir bei der Partnersuche fündig geworden und werden in den nächsten Wochen eine ausbaufähige Beteiligung an einem touristischen Unternehmen übernehmen.
Die World of TUI ist mit dieser Marktpräsenz der einzig europäische integrierte Urlaubskonzern, der seinen Kunden den Urlaub aus einer Hand anbietet - vom Reisebüro über den Flug und den Transport im Urlaubsgebiet bis zum Hotelbett. Wir wollen unser Geschäftsmodell auch außerhalb Europas dort etablieren, wo es die Märkte zulassen.
Unser Geschäftsmodell des integrierten Touristikkonzerns hat sich - ich hatte darauf hingewiesen - auch in einem schwierigen Marktumfeld bewährt. Jedoch sehen wir in diesem Geschäftsmodell keinen Selbstzweck. Vielmehr wollen wir jeden Markt, auch die Zukunftsmärkte, vor dem Hintergrund seiner Eigenheiten optimal bearbeiten.
Wir entwickeln daher unser Geschäftsmodell kontinuierlich weiter und richten unsere Prozesse und Produkte konsequent an den sich ändernden Bedürfnissen unserer Kunden, wie an den regionalen Besonderheiten, aus.
Innovationsbereitschaft und Geschwindigkeit in der Umsetzung der neuen Markttrends sind künftig die zentralen Erfolgsfaktoren.
Lassen Sie mich hierzu einige Beispiele geben:
Unser Vertriebsnetzwerk ist das größte in Europa, dazu gehören bei uns die Elemente Reisebüro, Internet, Fernsehen und Call Center. Wir werden weiter in die Effizienz unseres Vertriebsnetzes investieren, indem wir Kostenstrukturen optimieren, die Beratungskompetenz erhöhen und vor allem innovative Formate wie zum Beispiel unser "No Frills"-Konzept Touristik-Express umsetzen.
Zentrale Bedeutung in der künftigen Vertriebsstrategie hat das Internet. Im Internet können unsere Produkte über mehr als 50 eigene Websites gebucht werden. Unsere Online-Umsätze wachsen mit hohen zweistelligen Zuwachsraten, nicht zuletzt deshalb, weil wir im Internet vom Bekanntheitsgrad unserer Marken profitieren. In Großbritannien sind wir bereits Marktführer vor den großen Internetportalen. Unser Internetumsatz hat sich seit 2000 verzehnfacht. Wir erwarten wiederum in diesem Jahr eine Verdoppelung, in nicht all zu ferner Zukunft werden wir 20 Prozent unserer Umsätze hierüber direkt generieren.
Im Mittelpunkt unseres Veranstalterangebotes steht die qualitativ ansprechende Pauschalreise, die dem Kunden einen sorgenfreien und bequemen Urlaub zu einem fairen Preis garantiert. Im letzten Jahr haben wir über 18 Millionen Reisen verkauft. Dabei können wir uns auf ein breit gefächertes Portfolio unterschiedlichster Marken stützen. Von den großen Marken für das volumenstarke Qualitätssegment über Premiumanbieter oder Spezialisten bis hin zu echten Discountern haben wir für fast jeden Kundenwunsch das passende Angebot.
Unser Ziel ist es, auch in dem sich stark entwickelnden "Modularen Markt", bei dem der Kunde sich Einzelbausteine seiner Reise selbst bucht, eine führende Position einzunehmen. Vor diesem Hintergrund haben wir damit begonnen, die Komponenten der Pauschalreise auch einzeln buchbar zu machen. Unser neues Hotel Portal TUI-Hotels.com bietet neben konzerneigenen Hotels mehrere Tausend Strand-Stadt- und klassische Ferienhotels für die Individualreise an, die mit Flügen unserer Fluggesellschaften kombiniert werden können. In diesem Zusammenhang werden wir die bekannte Touristik Marke "Touropa" neu belegen und als Online-Veranstalter positionieren. Touropa wird seine Angebote ab 2005 ausschließlich über das Internet zu tagesaktuellen Preisen anbieten. Damit wird natürlich die Pauschalreise nicht abgelöst, sondern wir bieten daneben einem anderen Kundenkreis das passende Produkt an.
Die wohl stärkste Veränderung findet derzeit am Flugmarkt statt. Neue Geschäftsmodelle und neue Wettbewerber drängen in den Markt und setzen die etablierte Konkurrenz unter Druck. Die konzerneigenen Fluglinien haben in unserem Verbund bisher dem Wettbewerb standgehalten. Insbesondere das neue Geschäftsmodell von Hapag-Lloyd Express hat sich in Deutschland bewährt und wir werden in diesem Jahr positive Ergebnisse einfliegen.
Da sich die Konsumenten sehr stark preisorientiert verhalten, ist eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur für die Konzernflotte das entscheidende Erfolgskriterium.
Wir stehen aktuell in schwierigen Tarifverhandlungen und ich muss an dieser Stelle sehr deutlich sagen:
Jedes Festhalten an Forderungen oberhalb von Kostenstrukturen des Wettbewerbs gefährdet die nachhaltige Beschäftigung der eigenen Flotte. Der Stand der Gespräche mit den Gewerkschaften stimmt uns aber zuversichtlich, eine für beide Seiten tragbare Lösung zu finden.
Lassen Sie mich noch eine Anmerkung zum Low-Cost Flugmarkt machen. Der Markt entwickelt sich mit erheblicher Dynamik; Charter und Low-Cost Strecken überschneiden sich mehr und mehr. Mit unserer Hapag-Lloyd Express sowie Thomson-fly.com haben wir Flugkapazitäten, mit denen wir touristische Ziele kostengünstig anfliegen können; sie sichern unser touristisches Kerngeschäft.
Die Nachfrage nach Flugreisen in den Urlaub und auch für Wochenendtrips hat in den letzten Jahren stark zugenommen und die Akzeptanz unserer Konzernmarken ist außerordentlich hoch. Dies ist eine gute Voraussetzung für ein kräftiges Wachstum im Fluggeschäft. Beispielsweise hat TUI Belgien zum 1. April sehr erfolgreich den Flugbetrieb in Belgien aufgenommen und wird die Flotte noch in diesem Jahr auf sieben Flugzeuge ausbauen. Unser Flugbereich bleibt ein wichtiges strategisches Asset, welches im Verbund mit unserem touristischen Geschäft auch künftig gute Renditen erwirtschaften wird.
Schließlich zum Hotelgeschäft.
Überdurchschnittliche Wachstumschancen erwarten wir vor allem im Hotelbereich. Unsere starken Hotelmarken wie z.B. RIU, Grecotel und Robinson sind entscheidend für das Urlaubserlebnis unserer Kunden und tragen wesentlich zu unserem Ergebnis in der Touristik bei.
Wir werden unser Portfolio mit differenzierten Hotelprodukten weiter konsequent ausbauen. Dabei werden wir hauptsächlich mit Produkten expandieren, die auf spezifische Kundenbedürfnisse ausgerichtet sind. Beispielsweise nutzen wir unser Knowhow bei Magic Life, um eine neue Produktlinie für den englischen Markt zu entwickeln. Robinson wie auch RIU wachsen weiter. Das angestrebte Wachstum im Hotelbereich werden wir vor allem über Neubau- bzw. Erweiterungsprojekte, d.h. internes Wachstum realisieren und damit die Ertragskraft dieses Bereiches weiter stärken.
Lassen Sie mich die Schlüsselelemente unserer Strategie nochmals kurz zusammenfassen:
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Wir wollen in der Touristik unsere führenden Marktpositionen weiter ausbauen und in unserem bestehenden Geschäft wie auch der Erschließung neuer Quellmärkte weiter wachsen.
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Wir werden mit unseren bekannten Marken weiter Trends setzen und in den innovativen Wachstumsmärkten wie Low-Cost, Dynamic Packaging oder modulare Produkte an vorderer Stelle mitwirken.
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Wir werden unser integriertes Geschäftsmodell weiter optimieren und unsere Ergebnisträger Hotel- und Flugbereich weiter ausbauen.
Wir gehen davon aus, dass unsere Märkte künftig wieder unvermindert moderat wachsen werden und wir in unserer neuen kostengünstigen Aufstellung hiervon profitieren werden.
Soweit zu unseren touristischen Plänen.
Ich komme nun zur Logistik:
Meine Damen, meine Herren,
am Anfang dieses Jahres haben Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, die Logistik weiter zu fokussieren und als
Schifffahrtsunternehmen Hapag-Lloyd mit einer Minderheit an die Börse zu bringen.
Hapag-Lloyd, und hier speziell die Container Linie hat sich seit Zugehörigkeit zum TUI-Konzern prächtig entwickelt. In den vergangenen sechs Jahren sind Investitionen von fast 1 Milliarde Euro in diese Aktivität geflossen. Wir gehen für die Zukunft davon aus, dass der Welthandel und die Containerisierung des Welthandels weiter kräftig wachsen. Wie schon in der Vergangenheit kann Hapag-Lloyd an diesem Wachstum überdurchschnittlich partizipieren. Dies wird weitere erhebliche Finanzmittel erfordern.
Für eine weiterhin erfolgreiche Teilnahme an dem Wachstum, wollen wir die zukünftige Finanzierung auf mehrere Schultern verteilen. Hierzu wird ein Börsengang der Hapag-Lloyd vorbereitet. Wir planen rd. ein Drittel der Aktien zu platzieren. Die unternehmerische Mehrheit soll bei der TUI verbleiben und wir werden die Schifffahrt weiter in unseren Büchern konsolidieren.
In der Öffentlichkeit wird verschiedentlich über einen vollständigen Verkauf unserer Hapag-Lloyd Aktien spekuliert. Hierzu möchte ich folgendes sagen: Wir arbeiten intensiv an der Vorbereitung des Börsengangs. Das ist für uns zur Zeit die optimale Lösung. Sollte es jedoch zu einem ernsthaften Angebot kommen, sind wir verpflichtet es im Interesse der Aktionäre, also Ihrem Interesse, wie im Interesse der Hapag-Lloyd AG sorgfältig zu prüfen. Konkrete Angebote liegen uns derzeit nicht vor.
Im Zuge der Vorbereitung dieses Börsengangs haben wir beschlossen, VTG-Lehnkering und Algeco zu veräußern. Wir haben geprüft, die beiden Einheiten zusammen mit Hapag-Lloyd an die Börse zu bringen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass dies zu einem nicht vertretbaren Abschlag für ein solches Konglomerat und damit zur Wertvernichtung geführt hätte.
Der Verbleib dieser Einheiten im Konzern ist unter finanzwirtschaftlichen Gesichtspunkten ebenfalls nicht angezeigt. VTG-Lehnkering und Algeco erfordern einen hohen Kapitaleinsatz, den wir in unsere Kerngeschäftsfelder und Wachstumsbereiche Touristik und Schifffahrt lenken wollen. Im ersten Quartal 2003 ist uns der Verkauf der Bulk- und Speziallogistik der VTG-Lehnkering AG gelungen. Die Vorbereitungen für den Verkauf der übrigen Aktivitäten der nunmehr umfirmierten VTG AG - die Schienen- und Tankcontainerlogistik - sowie der Algeco S.A. haben begonnen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir angesichts des hohes Interesses an diesen Unternehmen mit einem zügigen und sehr befriedigendem Ergebnis rechnen können.
Meine Damen und Herren,
gemäß der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes - der sogenannten Holzmüller-Entscheidung - hatten wir vorgesehen, zum Börsengang der Hapag-Lloyd AG vorsorglich die Zustimmung dieser Hauptversammlung einzuholen. Erst einige Wochen nach der Einladung zu dieser Hauptversammlung ist eine neue BGH-Entscheidung ergangen, die die bisherige Rechtsprechung überholt hat.
Danach obliegt die Entscheidung über den Verkauf eines Unternehmensteils in der hier gegebenen Grössenordnung alleine dem Vorstand der Gesellschaft. Eine Vorlage an die Hauptversammlung kommt nur noch in Betracht, wenn die Veräußerung nahezu des gesamten Gesellschaftsvermögens in Rede stünde. Dies wäre selbst bei einem vollständigen Verkauf von Hapag-Lloyd nicht der Fall. Wir stellen uns unserer Verantwortung und haben [im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat] die Beschlussfassung zu Punkt 6 der Tagesordnung zurückgezogen. Selbstverständlich begrüssen wir die Möglichkeit einer umfangreichen Aussprache dieses Vorgangs in dieser Hauptversammlung und wir werden auf Ihre Fragen und Anmerkungen ausführlich eingehen.
Die Fokussierung der Logistik auf die Schifffahrt und der Börsengang der neu strukturierten Hapag-Lloyd AG ist für die TUI ein weiterer, wichtiger Schritt zu dem von uns in den nächsten 18 Monaten angestrebten Kreditrating der TUI.
Kommen wir nun zum laufenden Jahr. Der Bericht über das erste Quartal ist vor wenigen Tagen veröffentlicht worden.
Wir hatten einen guten Start in das neue Geschäftsjahr. Im Kerngeschäft Touristik liegen wir operativ deutlich über dem Vorjahr. Der Umsatz lag 5 Prozent über dem des Vorjahresquartals. Das Ergebnis der Sparte verbesserte sich um 67 Millionen Euro. Dies liegt exakt im Rahmen unser Planung. Wir wollen dieses Jahr in der Touristik im deutlich zweistelligen Prozentbereich das Ergebnis gegenüber 2003 steigern und sehen uns im ersten Quartal auf dem richtigen Weg.
In der Logistik liegt die Schifffahrt über dem Vorjahresniveau, die positive Entwicklung hält an.
Dazu im Einzelnen:
Wir wachsen wieder, wenn auch regional unterschiedlich. Kumulativ lagen wir bei unseren Buchungen zum 30.04. im Sommer bei 3,3 Prozent über Vorjahr, den Winter konnten wir mit 6,1 Prozent Umsatzzuwachs abschließen. Der Zuwachs im touristischen Jahr 2003/04 liegt bei rd. 4,5 Prozent.
Der Quellmarkt Mitte wächst moderat. Die Nachfrage hat sich hier im Vergleich zum Vorjahr klar belebt. Allerdings stehen insbesondere die preisgünstigen Angebote in der Gunst der Kunden im deutschen Markt ganz oben. Deswegen stieg die Gästezahl auch stärker als der Umsatz. Insbesondere 1-2-FLY profitiert von dieser Nachfrageentwicklung. Durch unsere enge Verzahnung konnte abermals die Flugleistung wie die Auslastung von Hapag-Lloyd Flug im ersten Quartal gesteigert werden.
Auch der Quellmarkt Nord konnte die gebuchten Umsätze deutlich gegenüber Vorjahr steigern. Die in Großbritannien erzielten Preissteigerungen werden jedoch zum Teil durch das schwächere Pfund wieder ausgeglichen. Erfreulich sind die starken Erholungstendenzen in den nordischen Ländern, hier haben wir den Turnaround geschafft.
Der Quellmarkt West bleibt uneinheitlich. Während in den Niederlanden die Verbraucher noch zurückhaltend buchen, verzeichnet Belgien hohe Zuwächse. Die hier kürzlich gestartete eigene Fluglinie TUI Airlines Belgium hat erfolgreich den Flugbetrieb aufgenommen. In Frankreich sind die bisherigen Tendenzen zu uneinheitlich für einen klaren Trend. Das Geschäft mit der Pauschalreise sowie im Einzelplatzverkauf verlief die Wintersaison zufriedenstellend. Das erste Quartal war landesspezifisch schwächer als im Vorjahr. Die Buchungen für die Sommersaison ziehen seit einiger Zeit wieder an. Der Quellmarkt West liegt bei den gebuchten Umsätzen für den Sommer auf Vorjahresniveau.
Im Bereich der Zielgebiete entwickeln sich sowohl die Hotelbeteiligungen als auch die Zielgebietsagenturen erfreulich und liegen klar über dem Vorjahr, insgesamt also eine erfreuliche Entwicklung im Tourismus.
Die Sparte Logistik liegt insgesamt im ersten Quartal auf dem guten Vorjahresniveau. Die in der Bedeutung dominierende Schifffahrt konnte trotz eines schwächeren Dollars die Performance steigern. Weiteres Mengenwachstum bei gleichzeitig stabiler Frachtratenentwicklung haben hierzu maßgeblich beigetragen, ein Abbrechen dieser Entwicklung ist nicht zu erkennen.
Auf Konzernebene von großer Relevanz war die Platzierung einer Industrieanleihe Ende April. Statt der zunächst geplanten 350 Millionen Euro konnten nach einer intensiven Roadshow aufgrund der außerordentlich hohen Nachfrage 625 Millionen Euro platziert werden. Dies ist ein schöner Erfolg, denn damit können nicht nur die Bankschulden schneller und umfangreicher zurückgefahren werden, sondern darin zeigt sich auch die positive Beurteilung der TUI aus der Sicht der Investoren.
Für das Jahr 2004 gehen wir von deutlichen Ertragssteigerungen in der Touristik aus. In der Logistik entwickelt sich die Container Linie weiter erfreulich auf hohem Niveau. Der Börsengang Hapag-Lloyd wird für die zweite Jahreshälfte vorbereitet.
Am Jahresende wird die TUI wieder ein hohes Ergebnis ausweisen können. Die Verschuldung wird weiter zurückgeführt sein und das Unternehmen wird insgesamt gestärkt im Wettbewerb stehen.
Meine Damen und Herren,
lassen Sie mich zusammenfassen:
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Im Geschäftsjahr 2003 sind wir erheblich vorangekommen in der Neustrukturierung des Konzerns und die für 2004 angekündigten Veräußerungen werden zügig umgesetzt.
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Der Wandel der Preussag zur TUI wird damit abgeschlossen. Als klarer Marktführer in Europa, mit starken Marken und innovativen Produkten haben wir die Grundlagen - die Werte - geschaffen, um auch zukünftig wirtschaftlichen Erfolg zu haben.
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"Werte schaffen Vertrauen".
Der Umkehrschluss gilt aber auch: "Vertrauen schafft Werte". Wir bitten Sie, uns auch zukünftig vertrauensvoll zu unterstützen und wir werden unsere ganze Kraft einsetzen, den Wert Ihres Unternehmens weiter zu steigern.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und würde mich freuen, Sie auch im nächsten Jahr hier wiederzusehen.
