Rede von Herrn Rainer Feuerhake, Finanzvorstand Hauptversammlung am 10. Mai 2006 in Hannover
Zum Download
Hier finden Sie die Rede von Rainer Feuerhake als pdf.-Dokument.
weiter...
– Es gilt das gesprochene Wort –
Meine Damen und Herren,
auch ich begrüße Sie ganz herzlich zur heutigen Hauptversammlung. Nach den Ausführungen von Herrn Dr. Frenzel darf ich Ihnen nun einige ergänzende und vertiefende Erläuterungen zum vorliegenden Konzernabschluss 2005 geben.
Neue Rechnungslegungstandards des IASB
Die Gewinn- und Verlustrechnung sowie die Bilanz des Konzerns - auf die ich nachfolgend eingehe - weichen in ihrer Darstellung von früheren Jahresabschlüssen ab, weil für den Konzernabschluss 2005 mehrere überarbeitete beziehungsweise neu erlassene Standards des IASB (International Accounting Standards Board) verbindlich anzuwenden waren. Andere die ab 2006 verbindlich werden, haben wir zum Zwecke einer verbesserten Bilanzkontinuität vorzeitig angewendet.
Umfangreiche Auswirkungen auf unseren Konzernabschluss ergeben sich, aus der nun geforderten Zusammenfassung des Ergebnisses aus einzustellenden Geschäftsbereichen in einer gesonderten Position der Gewinn- und Verlustrechnung. Entsprechend hierzu sind Vermögen und Schulden der einzustellenden Bereiche ebenfalls in einer separaten Bilanzposition dargestellt.
Des Weiteren ist jetzt eine jährlich vorzunehmende Überprüfung von Restwerten, Abschreibungsmethoden und Nutzungsdauern vorgeschrieben. Wir haben in diesem Zusammenhang unter anderem die Nutzungsdauer bei Containerschiffen der Hapag-Lloyd an die international üblichen und auch bei CP Ships verwandten Nutzungsdauern von 25 Jahren angepasst.
Im Rahmen der Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen sind ab 2005 Unterdeckungen bei Pensionsrückstellungen erfolgsneutral mit dem Eigenkapital verrechnet worden.
Weiterhin haben wir den Zinsanteil aus der Bewertung von Pensionsverpflichtungen nicht mehr wie bisher als Personalaufwand erfasst, sondern im Finanzergebnis ausgewiesen.
Zum Zwecke der Vergleichbarkeit sind die Zahlen des Vorjahres 2004 entsprechend angepasst worden.
Soweit zu den neu anzuwendenden Rechnungslegungsstandards, nun zur Ertragslage des Konzerns bzw. einige vertiefende Ausführungen zur Gewinn- und Verlustrechnung.
Gewinn- und Verlustrechnung
Die Umsatzerlöse des Konzerns stiegen um 1,9 Milliarden Euro beziehungsweise 12 Prozent auf 18,2 Milliarden Euro. Mit dem Umsatzwachstum einhergehend stiegen Material- und Personalaufwendungen sowie Abschreibungen. Der Saldo – quasi das operative Ergebnis - ist mit rund 584 Millionen Euro praktisch unverändert gegenüber dem Vorjahr.
Nach Abzug des Saldos von Finanz- und Equity-Ergebnis in Höhe von 198 Millionen Euro ergibt sich für 2005 ein Ergebnis der fortgeführten Sparten (EBTA) von 386 Millionen Euro. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Ergebnisrückgang um 35 Millionen Euro beziehungsweise 8 Prozent-Punkten; im Wesentlichen weil der Zinsaufwand um 28 Millionen Euro über Vorjahr lag.
In der Aufgliederung des Ergebnisses der Sparten auf unsere operativen Bereiche stellt sich die Ergebnissituation wie folgt dar:
Das Ergebnis der Touristik beträgt 360 Millionen Euro, es konnte sich damit leicht verbessern, blieb jedoch insgesamt hinter unseren eigenen Erwartungen zurück, weil - wie von Herrn Dr. Frenzel bereits ausgeführt - in 2005 hohe einmalige operative Belastungen anfielen.
Die Schifffahrt ist mit 279 Millionen Euro auf Vorjahreshöhe, wobei erstkonsolidierungsbedingt das operativ positive Ergebnis von CP Ships für November und Dezember keinen Konzernergebnisbeitrag leistete.
Der Zentralbereich, welcher im Wesentlichen die Corporate Center Funktionen der TUI AG sowie das Immobiliengeschäft des Konzerns umfasst, verschlechterte sich auf abgerechnete -253 Millionen Euro. Ursächlich hierfür ist im Jahresvergleich eine einmalige Begünstigung des Vorjahreswertes aus der Finalisierung von Immobilienverkäufen. Von der Ergebnisentwicklung innerhalb unserer Bereiche nun wieder zurück auf die Gesamtkonzernsicht.
Trotz des leicht verringerten Ergebnisses der Sparten erhöhte sich der Steueraufwand auf insgesamt 87 Millionen Euro und damit um 32 Millionen Euro gegenüber Vorjahr. Dies ist neben höheren Steuerzahlungen der Hotelgesellschaften im Wesentlichen auf einen erhöhten latenten Steueraufwand im Quellmarkt Frankreich zurückzuführen.
Insgesamt ergibt sich hieraus ein Ergebnis nach Steuern der fortzuführenden Geschäftsbereiche von 299 Millionen Euro, was einer Verringerung von rund 66 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dieser Rückgang ist wie eben dargestellt zu etwa gleichen Teilen aus dem verschlechterten Finanzergebnis und den erhöhten Ertragssteueraufwendungen verursacht.
Das Ergebnis der einzustellenden Bereiche ist mit 196 Millionen Euro nahezu auf Vorjahresniveau. Hierin sind die laufenden Ergebnisse der Speziallogistik- und Handelsaktivitäten des Konzerns enthalten sowie das Verkaufsergebnis für die VTG, dass im Dezember letzten Jahres erzielt wurde.
Unter Einbezug des vorgenannten Ergebnisses aus einzustellenden Geschäftsbereichen ergibt sich abschließend ein Konzernergebnis von insgesamt 495 Millionen Euro. Das Ergebnis pro Aktie verringerte sich entsprechend um 68 Cent auf nunmehr 2,28 Euro pro Aktie.
Zur Abrundung meiner Erläuterungen zu den Ertragskennzahlen, ein Blick auf das erreichte Rentabilitätsniveau. Der Return on Invested Capital (ROIC) – definiert als das Ergebnis der Sparten vor Zinsen im Verhältnis zum verzinslichen Kapital – verringerte sich bereinigt um ungewöhnliche Erträge aus Abgangsergebnissen um 2,2 Prozent-Punkte auf 9,9 Prozent. Im Vergleich zu unseren aktuellen Kapitalkosten von 8,0 Prozent resultiert hieraus eine Überrendite von 1,9 Prozent oder in absoluten Werten ein positiver Wertbeitrag von rund 133 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2005.
Lassen Sie mich nun von der Ertragslage des Konzerns auf die wesentlichen Veränderungen der Bilanz eingehen.
Bilanz/Verschuldung
Die Bilanzsumme erhöhte sich um rund 3 Milliarden Euro oder 24 Prozent auf 15,3 Milliarden Euro. Bestimmender Grund für das Vermögenswachstum ist die erfolgte Konsolidierung der CP Ships-Gruppe seit dem 25. Oktober 2005.
Gleichzeitig erhöhte sich das Eigenkapital um rund 1,7 Milliarden Euro. Diese Steigerung – mehr als 50 Prozent des Zuwachses der Bilanzsumme – ergibt sich aus der Kapitalerhöhung, der Aufnahme des Hybridkapitals und der Nettozuführung zu den Gewinnrücklagen saldiert mit der Verrechnung von Pensionsunterdeckungen.
Als Resultat dieser Entwicklung erhöhte sich der Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme im Jahresvergleich um 7 Prozent-Punkte auf nunmehr 28,5 Prozent. Innerhalb des Konzernrestrukturierungsprozesses konnte seit dem Geschäftsjahr 2000 damit insgesamt eine Verbesserung der Eigenkapitalquote um mehr als 10 Prozent-Punkte erreicht werden. Des Weiteren ist das Eigenkapital jetzt auch um rund 600 Millionen Euro höher als der Goodwill des Konzerns.
Ich denke diese langfristige Betrachtung unserer bilanziellen Relationen zeigt deutlich: "Der Transformationsprozess Ihres TUI-Konzerns schließt mit einem stabilen finanziellen Fundament !"
Um bei dem Thema finanzieller Stabilität zu bleiben, ein Wort zur Verschuldungssituation des Konzerns. Die Netto-Finanzposition erhöhte sich im Geschäftsjahr 2005 um rund 0,5 Milliarden Euro auf 3,8 Milliarden Euro.
Der Anstieg ist auf die Akquisition von CP Ships zurückzuführen, saldiert um die Erhöhung der Eigenmittel. In den nicht in der Bilanz enthaltenen Finanzverpflichtungen war eine Erhöhung um rund 0,6 Milliarden Euro zu verzeichnen. Bereinigt man den enthaltenen Zugang in Höhe von 0,9 Milliarden Euro aus der Konsolidierung von CP Ships, ergibt sich ein Rückgang um 0,3 Milliarden Euro aus dem Verkauf der VTG.
Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahr 2006 können wir bereits eine weitere Entlastung unserer Netto-Verschuldung aus dem Verkauf unserer Geschäftsreiseaktivitäten an die niederländische BCD Holdings N.V. verzeichnen.
Soweit zum Konzernabschluss 2005.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
