TUI Aktiengesellschaft
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Rede Rainer Feuerhake
Rede des Vorstandsmitglieds der TUI AG Rainer Feuerhake Hauptversammlung am 11. Mai 2005

Rede des Vorstandsmitglieds der TUI AG Rainer Feuerhake Hauptversammlung am 11. Mai 2005

– Es gilt das gesprochene Wort –

Meine Damen und Herren,

auch ich begrüße Sie ganz herzlich zur heutigen Hauptversammlung. Nach den Ausführungen zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2004 von Herrn Dr. Frenzel darf ich Ihnen nun einige ergänzende und vertiefende Erläuterungen zum vorliegenden Konzernabschluss geben.

Konzernumbau

Meine Damen und Herren, auch der Jahresabschluss 2004 ist – wie schon in den Vorjahren – vom Wandlungsprozess des Konzerns geprägt. Schwerpunkt der Konzernrestrukturierung war im abgelaufenen Geschäftsjahr die Fokussierung der Logistik auf die Schifffahrt. Hierbei verblieben im Zuge einer gesellschaftsrechtlichen Neuordnung die Schifffahrtsaktivitäten bei der Hapag-Lloyd AG. Der übrige Bereich der Speziallogistik wurde im Rahmen des laufenden Desinvestitionsprogramms bis auf die Aktivitäten der Schienenlogistik vollständig veräußert. Hierbei handelt es sich insbesondere um den Bereich Bulk- und Speziallogistik der VTG, die Algeco-Gruppe sowie die Spedition Pracht.

Neben der Fokussierung im Bereich Logistik haben wir auch unser touristisches Beteiligungsportfolio weiterentwickelt. Hierbei stand die Aufstockung unseres Engagements bei TUI Suisse und der Magic Life-Gruppe auf jeweils 100% im Vordergrund. Verkauft haben wir unsere Mehrheit an der Anfi-Gruppe sowie die 10% Beteiligung an Alpitours.

Meine Damen und Herren, Sie sehen der Portfoliowandel des Konzerns hat uns auch im abgelaufenen Geschäftsjahr beschäftigt und entsprechend unseren Abschluss 2004 beeinflusst.

Ertragslage Konzern

Nach den "Wandlungsprozessen" zu den "Früchten" unserer Strategie: Wie steht es um die Ertragslage des Konzerns?

Mit einem abgerechneten Umsatz von rd. EUR 18,0 Mrd. lag der Konzernumsatz rd. EUR 1,2 Mrd. unter dem des Vorjahres. Der Rückgang resultierte aus den im Vorjahr und im Laufe des Geschäftsjahres 2004 getätigten Desinvestitionen. Bereinigt man den zum Vergleich heranzuziehenden Vorjahresumsatz um die Effekte aus dem Konzernumbau, ergibt sich eine Steigerung des Umsatzes um EUR 1,2 Mrd. bzw. 7%.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei dem Ergebnis der Sparten, unserem so genannten EBTA (Ergebnis vor Steuern und Goodwill-Abschreibungen). Absolut sank das Ergebnis von EUR 913 Mio. auf EUR 622 Mio. Die ungewöhnlichen Erträge in Höhe von EUR 132 Mio. des Geschäftsjahres 2004, welche aus den Desinvestitionen der Speziallogistik resultierten, sind deutlich niedriger als im Vorjahr, als durch den Verkauf des Energie-Bereiches sehr hohe Erträge angefallen waren. Bereinigt um die ungewöhnlichen Erträge und Aufwendungen wird die deutlich positive Entwicklung der operativen Ertragskraft des Konzerns sichtbar.

Das operative Ergebnis von EUR 242 Mio. aus 2003 konnte mit den abgerechneten EUR 490 Mio. mehr als verdoppelt werden.

Einhergehend mit der Steigerung der operativen Ertragskraft sowie dem Entfall von Goodwill-Abschreibungen stieg das Ergebnis vor Steuern (EBT) um EUR 376 Mio. auf nunmehr EUR 622 deutlich an. Der Konzernjahresüberschuss erhöhte sich um EUR 217 Mio. bzw. 69% auf EUR 532 Mio.. Dies entspricht einer Ertragsteuerbelastung von EUR 90 Mio., also einer Steuerquote von unter 20%. Die gegebene niedrige Steuerquote ist das Resultat unserer erreichten Zielstruktur des Konzerns mit den beiden Standbeinen Touristik und Schifffahrt. Durch die ertragsunabhängige Besteuerung des Schifffahrtsbereiches in Form einer mengenabhängigen Tonnagebesteuerung, sollten wir auch in Zukunft in der Lage sein, unsere Steuerbelastung auf einem relativ niedrigen Niveau zu halten.

In der Konsequenz erhöhte sich das Ergebnis pro Aktie um 78% auf nunmehr EUR 2,74.

Die Kernkennzahlen des Konzerns machen es deutlich: TUI kann auf ein erfolgreiches Jahr 2004 zurückblicken. Dies gilt auch für das erreichte Rentabilitätsniveau. Der Return on Invested Capital (ROIC) – definiert als das Ergebnis der Sparten vor Zinsen im Verhältnis zum verzinslichen Kapital – konnte bereinigt um ungewöhnliche Erträge und Aufwendungen um 5,1%-Punkte auf 12,0% gesteigert werden. Im Vergleich zu unseren aktuellen Kapitalkosten von 8,1% resultiert hieraus eine Überrendite von 3,9% oder in absoluten Werten ein positiver Wertbeitrag von rd. EUR 224 Mio. für das Geschäftsjahr 2004.

Ertragslage der Segmente

Nach der Gesamtkonzernsicht nun zu der Ertragsentwicklung innerhalb der Segmente.

Ein maßgeblicher Teil der Steigerung der operativen Ertragskraft des Konzerns ist auf die positive Entwicklung innerhalb der Touristik zurückzuführen. Das Ergebnis verbesserte sich um 73% auf EUR 362 Mio. Das Ergebnis der Logistik lag mit EUR 290 Mio. desinvestitionsbedingt unter dem Vorjahr. Der Handelsbereich konnte mit EUR 116 Mio. ein Rekordergebnis verbuchen.

Zu den Segmenten im Einzelnen; lassen Sie mich mit der Touristik beginnen.

Innerhalb des Segments Touristik konnte der Bereich Europa Mitte eine erhebliche Ertragserholung verzeichnen und ist mit abgerechneten EUR 82 Mio. wieder deutlich positiv.

Das Ergebnis des Bereiches Europa Nord reichte mit EUR 65 Mio. nicht an das Vorjahr heran. Berücksichtigt man jedoch, dass hierin bereits eine Belastung von EUR 30 Mio. für die laufende Restrukturierung und Neuordnung der Geschäftsprozesse des Marktes Großbritannien enthalten ist, zeigt sich auch im Ergebnis 2004 eine Verbesserung der operativen Ertragskraft gegenüber dem Vorjahr.

Das Ergebnis des Bereiches Europa West lag mit EUR 41 Mio. auf Vorjahresniveau.

Als stabile und wichtige Ertragssäule unseres integrierten Geschäftsmodells erwies sich wiederum der Bereich Zielgebiete, welcher unsere Aktivitäten in Hotelbeteiligungen und Zielgebietsagenturen bündelt. Mit EUR 144 Mio. konnte das Vorjahresergebnis nochmals deutlich gesteigert werden.

Nach der Touristik lassen Sie mich nun zu unserem zweiten Standbein kommen, der Logistik oder vielmehr der Schifffahrt.

Der Bereich Schifffahrt setzte sein Wachstum fort. Mit abgerechneten EUR 279 Mio. wurde das Rekordergebnis des Vorjahres um EUR 17 Mio. nochmals übertroffen. Unberücksichtigt sind dabei die aus der erfolgten Restrukturierung resultierenden erhöhten Finanzierungskosten im Vergleich zum Vorjahr.

Insgesamt erreichte das Segment Logistik mit EUR 290 Mio. nicht das Vorjahresniveau. Dies lag wie schon mehrfach erläutert an den erfolgten Desinvestitionen innerhalb des Teilbereiches Speziallogistik. Hierbei verringerte sich das Ergebnis in der Speziallogistik desinvestitionsbedingt um EUR –50 Mio. auf abgerechnete EUR 11 Mio.

Erlauben Sie mir abschließend noch einige Worte zum Handelsbereich sowie zum Ergebnis des Zentralbereiches bzw. des Segmentes Sonstige/Konsolidierung.

Eine sehr erfreuliche Entwicklung hat das Handelsgeschäft im abgelaufenen Geschäftsjahr 2004 genommen. Im Zuge der weltweit boomenden Stahlkonjunktur konnten die Stahlservice-Gesellschaften der PNA ihr Ergebnis deutlich steigern. Mit EUR 116 Mio. wurde das beste Ergebnis der PNA-Gruppe seit ihrem Bestehen abgerechnet.

In Summe ergibt sich ein Ergebnis der operativen Bereiche Touristik, Logistik und Handel von EUR 768 Mio. Abzüglich der Aufwendungen für den sogenannten Zentralbereich in Höhe von EUR  146 Mio. errechnet sich das Ergebnis der Sparten von EUR 622 Mio:

Das Ergebnis des Zentralbereiches enthält Erträge aus den erfolgten Desinvestitionen und aus der Bewertung von Vermögensgegenständen. Diesen Erträgen stehen als Aufwendungen Corporate-Center-Kosten, Finanzierungskosten sowie im Geschäftsjahr 2004 letztmalige Aufwendungen für die im Aufbau befindlichen Geschäfte gegenüber.

Wie schon Eingangs dargestellt, betrug der Ertrag aus Desinvestitionen im Geschäftsjahr 2004 EUR 132 Mio. Den wesentlichen Beitrag leisteten dabei die Erträge aus dem Verkauf der Algeco-Gruppe. Die Position Bewertung von Vermögensgegenständen resultiert im Wesentlichen aus der Auflösung von Vorsorgen, welche in den Vorjahren unter anderem im Zusammenhang mit dem Verkauf von Immobilien gebildet wurden.

Die Kosten des Zentralbereiches, die im Wesentlichen die Corporate-Center-Kosten der TUI AG beinhalten, gingen auf EUR 120 Mio. zurück. Das Zinsergebnis des Zentralbereiches war mit EUR –178 Mio. höher als im Vorjahr.

Bilanz und Finanzierung

Von den "Früchten" unserer Strategie – der Ertragslage des Konzerns – nun zum "Fundament" – der Konzernbilanz.

Betrachtet man die Entwicklung der wesentlichen Bilanzkennzahlen des Konzerns seit dem Geschäftsjahr 2001 werden auch hier die Auswirkungen unseres Konzernwandels deutlich. Die Bilanzsumme des Konzerns verringerte sich desinvestitionsbedingt um EUR 4,3 Mrd. auf EUR 12,3 Mrd. zum 31.12.2004.

Analog zur Verbesserung der operativen Ertragskraft des Konzerns im abgelaufenen Geschäftsjahr 2004 und der strukturellen Stärkung unserer Bilanzrelationen in den vergangenen Geschäftsjahren, verbesserte sich die Eigenkapitalquote kontinuierlich auf nunmehr 24,3%.

Die Verbindlichkeiten des Konzerns veränderten sich im Zuge des Konzernwandels zum einen durch die Rückführung unserer Verschuldung und zum anderen durch die Verlängerung der Fristigkeitsstruktur der Finanzverbindlichkeiten.

Mit den Zuflüssen aus den erfolgten Desinvestitionen konnten wir unsere Netto-Verschuldung von EUR 6,2 Mrd. in 2001 auf EUR 3,3 Mrd. zurückführen. Mit den noch ausstehenden Desinvestitionen des Bereiches Schienenlogistik und unserer Handelsaktivitäten in den USA sowie einem aktiven Management unseres Netto-Cash-flows und des working capitals, wollen wir die Netto-Verschuldung auf die Zielgröße von EUR 2 Mrd. am Ende des laufenden Geschäftsjahres 2005 bringen.

Mit dem nahenden Abschluss des tiefgreifenden Wandlungsprozesses unseres Konzernportfolios haben wir mit der Verlängerung unserer Fristigkeiten von Finanzschulden ein solides und stabiles Fundament für die Weiterentwicklung unserer Kerngeschäftsfelder Touristik und Schifffahrt geschaffen. So betrug der Anteil von Finanzschulden mit einer Laufzeit unter einem Jahr nur noch 11% zum 31.12.2004.

In diesem Zusammenhang steht auch die derzeit laufende Vorbereitung unseres Credit-Rating, dass wir im Herbst diesen Jahres erreichen wollen.

Diese Überlegungen leiten uns über zu der Frage des strategischen Ausblicks für den Konzern über den Sie jetzt – wie bereits angekündigt – Herr Dr. Frenzel informieren wird.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.