Rede von Herrn Rainer Feuerhake, Finanzvorstand Hauptversammlung am 16. Mai 2007 in Hannover
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Allgemeine Einleitung
Gewinn- und Verlustrechnung
Bilanz/Verschuldung
– Es gilt das gesprochene Wort –
Meine Damen und Herren,
auch ich begrüße Sie ganz herzlich zur heutigen Hauptversammlung.
Allgemeine Einleitung
Der Jahresabschluss unseres Konzerns wird nach internationalen Regeln der Rechenschaftslegung aufgestellt. Dessen Zahlen will ich Ihnen jetzt erläutern.
Weil sich in diesem Abschluss aber neben den Auswirkungen des operativen Geschäfts auch andere Vorgänge wie z.B. Desinvestitionserträge, Integrationsaufwendungen und Restrukturierungskosten niederschlagen, möchte ich gleichzeitig versuchen zu erläutern, welchen Einfluss das operative Geschäft auf unsere Gewinn- und Verlustrechnung hatte und welche anderen Faktoren sich dort niedergeschlagen haben.
Der Jahresabschluss 2006 des TUI Konzern war geprägt durch die erstmalige Einbeziehung von CP Ships für ein volles Geschäftsjahr.
Das Ergebnis der Schifffahrt war operativ belastet durch rückläufige Frachtraten und die stark gestiegenen sonstigen Kosten wie beispielsweise Inlandtransporte und Bunkeröl. Im nicht operativen Ergebnis haben sich dazu die einmaligen Integrationskosten belastend auf das Ergebnis ausgewirkt.
In der Touristik ist das operative Ergebnis angestiegen. Erträge aus Verkäufen mussten weitgehend für Restrukturierungsmaßnahmen aufgewendet werden. Gleichzeitig waren als Folge der zurückgenommenen Ergebniserwartungen in Frankreich und England und den daraus resultierenden geringeren Cash-flows in der Zukunft, Firmenwertabschreibungen in Höhe von 713 Mio. € erforderlich, die wesentlich für den Jahresfehlbetrag verantwortlich sind.
Lassen Sie uns nun aber im Detail auf die wesentlichen Einflussfaktoren des Jahresabschlusses 2006 Ihres TUI Konzerns eingehen.
Gewinn- und Verlustrechnung
Die Umsatzerlöse des Konzerns stiegen primär durch die ganzjährige Einbeziehung von CP Ships um 2,3 Mrd. € bzw. 13 % auf 20,5 Mrd. €. Mit dem Umsatzwachstum einhergehend stiegen Material- und Personalaufwendungen, sowie der Saldo der sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträge. Das für den Cash-flow maßgebliche Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ist mit rd. 940 Mio. € deutlich positiv, wenn auch 16% niedriger als im Vorjahr, was wesentlich auf das deutlich schwächere Ergebnis in der Schifffahrt zurückzuführen ist. Nach Abzug der Abschreibungen für sonstige immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen ergibt sich ein Ergebnis der Sparten (EBITA) von 203 Mio. €. In den hier verrechneten Abschreibungen von 736 Mio. € waren insgesamt 54 Mio. € für außerplanmäßige Wertminderungen enthalten.
Das Ergebnis der Sparten für die Bereiche Touristik, Schifffahrt und Zentralbereich war, wie schon mehrfach erwähnt, von verschiedenen Sonderfaktoren beeinflusst. Diese setzten sich im Wesentlichen aus Abgangsergebnissen im Zuge von Desinvestitionen, aus Restrukturierungs- und Integrationsaufwendungen.
Die Überleitung von ausgewiesenem/reportetem EBITA auf das bereinigte EBITA möchte ich Ihnen im Folgenden auf Konzernebene detaillierter erläutern. Das ausgewiesene EBITA der fortzuführenden Bereiche lag mit 203 Mio. € rund 66% unter dem Vorjahr.
Im Ergebnis enthalten waren Einmalerträge und –aufwendungen aus Abgangsergebnissen in Höhe von 188 Mio. €. Diese fielen hauptsächlich auf den Verkauf der Gschäftsreiseaktivitäten von TQ3 sowie den Verkauf der Anteile für Wolf (Heiztechnik). Demgegenüber standen Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 167 Mio. €, die mit 101 Mio. € auf die Touristik (für das im Dezember angekündigte Effizienz- und Ertragssteigerungsprogramm) und mit 66 Mio. € auf die Schifffahrt (für die Integration von CP Ships) entfielen. Weiterhin waren einmalige Aufwendungen aus Einzelsachverhalten von rund 172 Mio. € im Ergebnis verarbeitet, die sich fast gleichmäßig auf die Bereiche Touristik, Schifffahrt und Zentralbereich verteilten. Im Geschäftsbericht 2006 haben wir Ihnen die Sondereinflussfaktoren detailliert erläutert. Wesentlich für die Evaluierung der operativen Stärke ist die Analyse der Ergebnisentwicklung des bereinigten EBITA. Deshalb möchte ich auf diese Ergebnisgröße näher eingehen.
Das bereinigte Ergebnis der Touristik beträgt 401 Mio. €, es konnte sich damit um 9,5% verbessern. Insgesamt blieb es jedoch hinter unseren eigenen Erwartungen zurück, weil Verbesserungen in den Quellmärkten Mitte und Nord durch das schlechtere Abschneiden des Quellmarktes West negativ beeinflusst wurden. Die Ergebnisverschlechterung im Quellmarkt West in 2006 resultierte ausschließlich aus dem französischen Markt. Hier bremsten der Ausfall des Zielgebietes Reunion und die insgesamt verhaltene Nachfrage bei Nouvelles Frontieres und Corsair das Geschäft. Daraus resultierende Überkapazitäten im Flugbereich führten zu Margenverlusten, darüber hinaus konnten ölpreisbedingte Steigerungen für Flugbenzin nicht in vollem Umfang an den Kunden weitergegeben werden.
Die Schifffahrt blieb aufgrund des schwierigen Marktumfeldes deutlich hinter den Ergebniserwartungen zurück und konnte, bereinigt um Sondereffekte, mit 8 Mio. € ein noch leicht positives Ergebnis ausweisen. Ursächlich für den operativen Gewinneinbruch in der Containerschifffahrt waren die Entwicklung der Frachtraten, die über alle Fahrtgebiete um 2,7% abnahmen sowie zusätzliche kostenbedingte Belastungen. So blieben im Geschäftsjahr die ölpreisbedingten Bunkerkosten auf hohem Niveau.
Belastend wirkten ebenfalls die hohen Charterraten auf Grund der knappen Kapazitäten bei bestimmten Schiffsgrößen sowie erhöhte Kosten der landseitigen Logistik.
Der Zentralbereich, welcher im Wesentlichen die Corporate Center Funktionen der TUI AG sowie das Immobiliengeschäft des Konzerns umfasst, verbesserte sich um 24% auf minus 69 Mio. €.
In beiden Geschäftsfeldern – Touristik und Schifffahrt – haben wir im ausgewiesenen EBITA erhebliche Restrukturierungsmaßnahmen verarbeitet und eine Vielzahl von Maßnahmen eingeleitet, um die Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft zu stärken. Diese sollten sich in den nächsten Jahren auszahlen.
Von der Ergebnisentwicklung innerhalb unserer Bereiche nun wieder zurück auf die Gesamtkonzernsicht. Neben den zu verarbeitenden Umstrukturierungsaufwendungen und dem marktbedingt schwachen Abschneiden der Schifffahrt, wirkten sich erforderliche Wertminderungen auf Geschäfts- oder Firmenwerte im Bereich der Touristik in Höhe von 713 Mio. € belastend auf das Ergebnis aus. Von diesem Wertminderungsbedarf waren im Wesentlichen die Geschäfts- oder Firmenwerte für den Bereich Europa Nord in den Märkten Großbritannien und Irland von 480 Mio. €, im Bereich Europa West für den Markt Frankreich von 210 Mio. € sowie im Bereich Zielgebiete für die Hotelbeteiligung Magic Life von 23 Mio. € betroffen. Regelmäßig unterziehen wir die Geschäfts- und Firmenwerte sogenannten Werthaltigkeitstests, auch Impairment-Tests genannt. Im Rahmen der Werthaltigkeitstests werden die Buchwerte der getesteten Geschäftseinheiten einschließlich ihrer Geschäfts- und Firmenwerte mit dem aus den Einheiten erzielbaren Ertrag verglichen.
Die Wertminderungen sind dabei insbesondere eine Folge der schwierigeren Marktumfeldbedingungen in Großbritannien, Irland und Frankreich. Die Entwicklung in den Märkten hat zu einer vorsichtigeren Planung der zu erwartenden Cash-flows geführt, was sich auch in der Rücknahme des Ergebnisziels für die gesamte Sparte Touristik widerspiegelt. Basis hierfür war die zu Ende des Jahres 2006 dem Aufsichtsrat vorgelegte Mittelfristplanung. Nach Berücksichtigung der außerordentlichen Wertminderungen auf Geschäfts- oder Firmenwerte von 713 Mio. € belief sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf minus 510 Mio. €. (Vorjahr plus 591 Mio.€).
Nach Abzug des Zins-Ergebnis in Höhe von 226 Mio. €, das durch die erstmals ganzjährige Einbeziehung der in 2005 begebenen Anleihen (zur Finanzierung des Erwerbs von CP Ships) angestiegen war und der Ertragssteuern von 128 Mio. €, ergibt sich für 2006 ein Ergebnis der fortzuführende Geschäftsbereiche von minus 864 Mio. €. Der Steueraufwand erhöhte sich trotz des deutlich verringerten Ergebnis der Sparten.
Der überproportionale Anstieg der Steuerquote resultierte aus dem veränderten Verhältnis der Ergebnisbeiträge in der Touristik und der Schifffahrt. Auf Grund der bestehenden ertragsunabhängigen Tonnagebesteuerung der Schifffahrt entfällt die Entlastung der Steuerquote bei negativen Schifffahrtsergebnissen.
Nun noch ein kurzes Wort zu den Einzustellenden Geschäftsbereichen:
Die Trennung von den industriellen Aktivitäten wurde im Geschäftsjahr 2006 abgeschlossen. Das Ergebnis der einzustellenden Bereiche reduzierte sich erwartungsgemäß auf nur noch 17 Mio. €. Im Ergebnis enthalten war der im zweiten Quartal verkaufte Handelsbereich mit 6 Mio. € sowie nachlaufende Erträge aus den bereits in Vorjahren veräußerten Bereichen der Schienenlogistik und Energie. Das Vorjahresergebnis mit 196 Mio. € enthielt die noch laufenden Ergebnisse der Speziallogistik- und Handelsaktivitäten sowie das Verkaufsergebnis für die VTG.
Unter Einbezug des vorgenannten Ergebnisses aus einzustellenden Geschäftsbereichen ergibt sich abschließend ein Konzernergebnis von insgesamt minus 847 Mio. €. Wird dieses Ergebnis um die außerplanmäßigen Wertminderungen auf Firmenwerte sowie die im Vorfeld erläuterten außerplanmäßigen Abschreibungen (im Wesentlichen die Hotelanlagen von Magic Life und Iberotel in der Türkei) bereinigt, weist der TUI Konzern trotz des widrigen Marktumfeldes in der Schifffahrt und der verarbeiteten Restrukturierungsaufwendungen ein Konzernergebnis von minus 83 Mio. € aus. Das den Aktionären zustehende Konzernergebnis (nach Abzug der Minderheitenanteile und der Dividende auf das Hybridkapital) ging auf minus 919 Mio. € zurück. Bezogen auf die gewichtete durchschnittliche Anzahl der Aktien von 250,7 Mio. Stück ergab sich ein unverwässertes Ergebnis je Aktie von minus 3,66 € (Vorjahr 2,29 €).
Zur Abrundung meiner Erläuterungen zu den Ertragskennzahlen, ein Blick auf das erreichte Rentabilitätsniveau. Der Return on Invested Capital (ROIC) – errechnet sich als Quotient aus dem bereinigten Ergebnis der Sparten (Ergebnis vor Zinsen, Ertragssteuern und Abschreibungen auf Geschäfts- und Firmenwerte) und dem gebundenen verzinslichen Kapital (Invested Capital) des Segments. Der Return on Invested Capital der Touristik verbesserte sich um 1,1%-Punkte auf 7,9%. (Die Verbesserung gegenüber dem Vorjahreszeitraum war auf das gestiegene Ergebnis des Bereichs sowie auf eine reduzierte Kapitalbindung zurückzuführen. Treiber für das rückläufige Invested Capital war die erfolgte Wertminderung auf Geschäfts- oder Firmenwerte. Vor Wertminderung ergab sich ein Return on Invested Capital von 7,4%. Die Touristik lag damit wie im letzten Jahr mit dem erzielten Renditeniveau unterhalb der bereichsspezifischen Kapitalkosten.)
Durch den marktbedingten Ergebnisrückgang in der Schifffahrt sank der ROIC nach dem im Geschäftsjahr 2005 erzielten hohen Renditeniveau auf 0,3%. Das Invested Capital erhöhte sich durch die in 2006 erfolgte Einbeziehung der erhöhten Kapitalbasis im Zuge der Akquisition von CP Ships. Ich möchte an dieser Stelle nochmals betonen, dass dies kein Hapag-Lloyd Spezifikum ist, sondern dass die gesamte Container-Industrie nach den Boom-Jahren 2004 und 2005 in ein zyklisches Tief rutschte, von dem sie sich bislang noch nicht erholen konnte. Die seit der Konzernzugehörigkeit bis einschließlich 2006 erzielte durchschnittliche Rendite von Hapag-Lloyd liegt bei 18% und wir sind zuversichtlich auch in Zukunft mit unserer Schifffahrt wieder gute Kapitalrenditen zu erzielen.
Im Konzern, insbesondere durch die rückläufige Renditeentwicklung in der Schifffahrt, lag der ROIC mit 4,7% unterhalb der Kapitalkosten von 8,5%. Lassen Sie mich nun von der Ertragslage des Konzerns auf die wesentlichen Veränderungen der Bilanz eingehen.
Bilanz/Verschuldung
Im Geschäftsjahr 2006 führten Desinvestitionen sowie die Neu-Bewertung der Geschäfts- oder Firmenwerte zur deutlichen Reduzierung der Vermögenswerte. Was sowohl die Bilanzsumme als auch auf die Vermögens- und Kapitalstruktur beeinflusst.
Die Bilanzsumme reduzierte sich aus den genannten Gründen um 2,4 Mrd. € oder um 15,4% auf 13 Mrd. €. Das Eigenkapital nahm um rd. 1,4 Mrd. € ab und belief sich auf 3 Mrd. €. Grund hierfür war die Verringerung der Gewinnrücklagen im Zuge der erfolgten Wertminderungen. Folglich sank die Eigenkapitalquote auf 23,1% nach 28,4% im Vorjahr.
Das Verhältnis von Finanzschulden zum Eigenkapital (Gearing) verschlechterte sich auf 129,5% (Vorjahr 99,8%).
Die Nettoverschuldung des Konzern, definiert als Saldo aus Finanzschulden und liquiden Mitteln, konnte durch das Desinvestitionsprogramm um 0,5 Mrd. € auf 3,2 Mrd. € reduziert werden. Ziel des Konzerns ist es, die Nettoverschuldung bis zum Ende des Geschäftsjahres 2008 auf ca. 2,5 Mrd. € weiter zu reduzieren. Im Dezember ist hierzu ein neues Programm verabschiedet worden.
Bestandteil dieses Programms ist auch der im ersten Quartal 2007 erfolgte Verkauf des Hafenterminal im kanadischen Montreal (TUI hält allerdings weiterhin eine 20%ige Beteiligung); hierdurch konnte die Nettoverschuldung zum 31. März 2007 bereits auf 3,0 Mrd. € reduziert werden.
Das Nettoverschuldungsziel berücksichtigt nicht den Zusammenschluss mit First Choice. Zu den neuen Zielgrößen werden wir nach dem abschließenden Entscheid der Kartellbehörden und nach der Gründung der TUI Travel PLC Stellung nehmen. In diesem Zusammenhang prüfen wir zurzeit auch, inwieweit mit TUI Travel PLC die heutige Finanzierungsstruktur des Konzerns durch besicherte und unbesicherte Instrumente sowie im Hinblick auf die Laufzeit optimiert werden kann.
Soweit zum Konzernabschluss 2006.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
