Rede Dr. Michael Frenzel Vorsitzender des Vorstandes TUI AG Bilanzpressekonferenz 2005 Hannover am 23. März 2005
– Es gilt das gesprochene Wort –
Meine Damen und Herren,
ich begrüße Sie herzlich auf unserer Bilanzpressekonferenz zur Vorlage des Geschäftsberichts 2004. Ganz besonders erfreut sind wir über das Interesse der internationalen, d.h. nicht-deutschen Presse an unserem Konzern. Wir betrachten das als Indiz dafür, dass die TUI AG als Konzernmutter in allen europäischen Quellmärkten stärker wahrgenommen wird. Vor 10 Tagen haben wir auf der ITB über unsere erfreuliche Geschäftsentwicklung in ganz Europa berichtet. Das Medieninteresse scheint diesem Trend zu folgen.
Meine Damen und Herren, 2004 war ein ereignisreiches Jahr.
Im Sommer mussten wir uns gegen Hedge Fonds zur Wehr setzen, die auf unseren Abstieg aus dem Dax spekuliert haben. Das war eine der größten Finanzspekulationen gegen ein Unternehmen, die es in Deutschland je gegeben hat. Dank guter Ergebniszahlen im Halbjahr und viel Überzeugungsarbeit bei Analysten und Banken konnten wir uns am Ende durchsetzen. Dieser Erfolg war für unseren Konzern zu dem Zeitpunkt sehr wichtig.
Ein weiteres bedeutendes Ereignis war unsere Entscheidung, den angekündigten Börsengang von Hapag-Lloyd abzusagen. Das Börsenklima hatte sich im Laufe des vergangenen Jahres verschlechtert, das Risiko für eine ungünstige Platzierung wäre für uns sehr hoch gewesen. Ausschlaggebend war jedoch unsere Erkenntnis, dass wir die Ertragskraft der Schifffahrt im Konzern halten wollen.
Das ist eine Grundsatzentscheidung, die auch für die Zukunft gilt: Der Konzern steht auf zwei Säulen – Touristik und Schifffahrt.
Im Dezember letzten Jahres hat sich – und das war weniger überraschend – unser Mehrheitsaktionär WestLB von seinen Anteilen getrennt. Ein Teil der Aktien wurde von spanischen Investoren erworben, mit denen uns langjährige Partnerschaften verbinden. Ein anderer Teil wurde bei internationalen Investoren platziert. Das erhöht den Streubesitz der TUI Aktie. Wir sind überzeugt, dass sich die neue Aktionärsstruktur positiv auf unsere Position im Kapitalmarkt auswirken wird.
Der Konzern steht heute gut da. Unser integriertes Modell im Tourismus hat sich bewährt. Wir sind in allen Bereichen zukunftsfähig aufgestellt, der Konzern schafft Wert. Das zeigen auch unsere Ergebnisse, die wir in 2004 erzielt haben. Wir haben unser operatives Ergebnis, d.h. unser Ergebnis der Sparten bereinigt um ungewöhnliche Aufwendungen und Erträge verdoppelt, und zwar von 242 Millionen Euro im Vorjahr auf 490 Millionen Euro in 2004. Das Ergebnis der Sparten (EBTA) betrug 622 Millionen Euro und lag damit nominal unter dem Wert des Vorjahres, allerdings waren im Vorjahr hohe außerordentliche Gewinne unter anderem durch den Verkauf des Energiebereichs enthalten.
Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass den größten Beitrag dabei das Ergebnis in der Touristik mit 362 Millionen Euro leistete.
Mit einer Steigerung von rund 75 Prozent haben wir einen großen Sprung nach vorn gemacht. Nach zwei schwierigen Jahren ist nun die erwartete Verbesserung eingetreten. Insgesamt reisten 18,4 Millionen Gäste mit den Veranstaltern des TUI Konzerns – das sind 0,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg der Umsatz der Sparte mit 3,6 Prozent stärker als die Gästezahlen, was für ein verbessertes Preisniveau spricht.
In diesem Zusammenhang möchte ich den Bereich Europa Mitte positiv hervorheben, dessen Entwicklung ebenfalls unsere Preisqualität untermauert: Trotz eines leichten Rückgangs der Gästezahlen haben wir den Umsatz um 2,6 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro steigern können. Die gute Entwicklung in Deutschland, die getragen wurde durch eine Restrukturierung des Vertriebs sowie eine effiziente Produkt- und Kapazitätssteuerung der TUI Deutschland, sorgte außerdem dafür, dass das Ergebnis ebenfalls verbessert wurde. Nach einem Verlust im Vorjahr wurde für 2004 ein Plus von 82 Millionen Euro ausgewiesen.
Positiv war mit 65 Millionen Euro auch das Ergebnis des Bereichs Europa Nord. Insgesamt bleibt der Wert zwar hinter der Vorjahreszahl zurück (–14 Mio. Euro), zu beachten ist dabei allerdings, dass wir Vorsorge für die Zukunft in UK getroffen haben. Die Restrukturierungsmaßnahmen in Großbritannien haben das Ergebnis im Abschluss mit über 30 Millionen Euro belastet. Wir haben das bewusst in Kauf genommen, um uns aus einer Position der Stärke auch im britischen Markt für die Zukunft fit zu machen.
Wir versprechen uns von den Restrukturierungsmaßnahmen ab 2006 erhebliche jährliche Verbesserungen. Für ihre Umsetzung ist in 2005 noch laufender Aufwand zu erwarten, der durch die bereits einsetzenden positiven Effekte aus der Restrukturierung in etwa gedeckt sein wird. Erfreulich ist, dass sich die Geschäftslage in den nordischen Ländern deutlich stabilisiert hat. Der Turnaround ist geschafft, hier verdienen wir wieder Geld.
Das Ergebnis des Bereichs Europa West lag mit 41 Millionen Euro auf dem guten Niveau des Vorjahres.
Mit 144 Millionen Euro konnte der Bereich Zielgebiete erneut ein sehr gutes Ergebnis verbuchen. Das entspricht einer Steigerung von 40 Millionen Euro. Ausschlaggebend waren einmal mehr die gute Auslastung der Hotels sowie die positive Entwicklung der Zielgebietsagenturen. Der Hotelbereich ist eine starke Ertragssäule unseres Geschäfts.
Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass die TUI AG kurz vor der Gründung eines Joint Ventures mit einem indischen Partner steht. Indien bietet mit einem überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum und einer wachsenden Mittelschicht, nicht nur als Zielland touristisches Potential, sondern insbesondere auch als Quellmarkt. TUI India wird die Veranstalteraktivitäten der World of TUI in dieser aufstrebenden Destination bündeln und die Möglichkeit bieten, am stark wachsenden Outgoing-Geschäft Indiens zu partizipieren.
Meine Damen und Herren, ich bin sehr zufrieden mit der Performance der Touristik. Ich werde Ihnen vier Gründe dafür nennen:
- 2004 ist der Beweis, dass unser integriertes Geschäftsmodell gute Ergebnisse erwirtschaftet.
- Wir haben die Effizienz unserer Prozesse und Kosten optimiert.
- Die Kapazitätsauslastung der Flugzeuge und Hotels ist deutlich gestiegen.
- Die Preisqualität konnte gesteigert werden – der Yield-Anteil sank.
Die insgesamt gute Entwicklung spiegelt sich auch in der Markenposition im Qualitätssegment wider. Wir sind in den letzten Wochen mehrfach ausgezeichnet worden. Bei einem Ranking nach Image und Marktstärke sind wir deutlich die Nummer eins aller Reisemarken. In Europas größter Marken- und Verbraucherstudie von Reader's Digest ist die TUI Marke zudem zum fünften Mal als "most trusted brand" aller Reisemarken in Europa prämiert worden. Eine weitere Markenbewertung der Marketingzeitschrift Horizont attestiert uns eine außerordentlich hohe Markenattraktivität und ein erstklassiges Image. Im Branchenvergleich stehen wir nach dieser Studie besser da als der Autohersteller Mercedes, der Handelsriese Aldi oder die Modemarke Boss. All dies zahlt sich aus.
Wie eingangs erwähnt, haben wir im vergangenen Jahr auch einen grundsätzlichen strategischen Schritt in der Logistik gemacht – die Fokussierung auf die Schifffahrt. Wir haben uns entschieden, Hapag-Lloyd mit der Container Linie und den Kreuzfahrten vollständig im Konzern zu halten. Damit sichern wir uns auch in Zukunft die Ergebnisse dieses ertragsstarken Bereichs. Die Bulk- und Speziallogistik der VTG Lehnkering Gruppe und die Algeco Gruppe sind nach Verkauf nur noch zeitanteilig im Konzernabschluss einbezogen. Die Pracht Spedition + Logisitik GmbH ist nicht mehr enthalten.
In der Schifffahrt konnte das Ergebnis um 17 Millionen auf 279 Millionen gesteigert werden, das gute Ergebnis des letzten Jahres wurde noch einmal übertroffen. Ausschlaggebend waren wie schon im vergangenen Jahr ein höheres Transportvolumen und verbesserte Frachtraten.
Der Handelsbereich profitierte von der lebhaften Stahlkonjunktur und erzielte mit 116 Millionen Euro das historisch höchste Ergebnis.
Das Ergebnis im Zentralbereich konnte um 24 Millionen Euro verbessert werden. Herr Feuerhake wird Ihnen im Anschluss Näheres zu der Entwicklung in diesem Bereich berichten.
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich an dieser Stelle noch einmal zusammenfassen und verdeutlichen:
In 2004 war unser Ergebnis nicht mehr durch hohe Erträge aus Anteilsverkäufen geprägt. Das operative Ergebnis hat sich verdoppelt – ein Beweis für den Erfolg unserer Strategie und ein Beweis für unser integriertes touristisches Geschäftsmodell, das uns auch im Wettbewerbsvergleich deutlich besser in Europa dastehen lässt. Aufgrund des guten Ergebnisses, insbesondere in unserem Kerngeschäft Touristik, möchten wir unseren Aktionären wieder eine Dividende von 77 Cent je Aktie vorschlagen, damit zeigen wir auf hohem Niveau Dividendenkontinuität und stehen in der Rangliste der DAX-Unternehmen als eines der dividendenstärksten Unternehmen da.
Auch bei der Reduzierung unserer Nettoverschuldung sind wir im vergangenen Jahr weiter vorangekommen. Am Bilanzstichtag lag die Nettoverschuldung bei 3,25 Milliarden Euro, das sind rund 600 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor.
Ich darf jetzt Herrn Feuerhake bitten, einige wesentliche Positionen des Konzernabschlusses 2004 etwas ausführlicher zu erläutern.
Meine Damen und Herren, wie eingangs angekündigt, möchte ich Ihnen zum Abschluss noch aktuelle Informationen zum derzeitigen Geschäftsverlauf und einen Ausblick auf das Jahr 2005 geben. Vor wenigen Tagen auf der ITB in Berlin haben wir Ihnen mitgeteilt, dass eine deutliche Belebung der Reisekonjunktur spürbar ist. Das belegen vor allem die Buchungseingänge der letzten Wochen: Insbesondere in den Ländern des Bereichs Europa West freuen wir uns über zweistellige Zuwachsraten.
Im laufenden Wintergeschäft verzeichnet der TUI Konzern europaweit ein Wachstum bei den gebuchten Umsätzen von 4 Prozent, im Sommer registrieren wir sogar einen Zuwachs um 7 Prozent.
Für das gesamte touristische Jahr, vom 1. November 2004 bis zum 31. Oktober 2005, verzeichnen wir heute konzernweit ein Plus von 5,3 Prozent bei den gebuchten Umsätzen. Die Entwicklung der Gästezahlen verläuft mit Plus 4,6 Prozent ebenfalls erfreulich.
Lassen Sie mich versuchen, einen Ausblick auf 2005 zu geben:
In der Touristik und in der Schifffahrt erwarten wir ein robustes Wachstum, das sich in einer weiteren Verbesserung der operativen Ergebnisse in der Touristik, bei Fortsetzung des hohen Ergebnisniveaus der Schifffahrt für 2005 niederschlagen wird. Das Handelsgeschäft hat das Potential, nochmals ein gutes Ergebnis zu erzielen, welches sicherlich nicht an das Rekordniveau von 2004 anknüpfen wird.
Es ist heute noch zu früh, insbesondere in der Touristik, die erwarteten Verbesserungen zu quantifizieren, da sich die Buchungen für die für uns wichtige Sommersaison weiter verfestigen müssen. Wenngleich uns die aktuellen Buchungszahlen heute optimistisch stimmen, so kann doch zu diesem Zeitpunkt im Jahr noch nicht zuverlässig auf den tatsächlichen Verlauf der Sommersaison geschlossen werden. Auch in 2005 sollte ein prozentual zweistelliges Ergebniswachstum in der Touristik möglich sein.
In der Schifffahrt haben wir durch unsere vorausschauende Investitionspolitik die Grundlage für ein erfolgreiches Geschäft und ein Ertragswachstum in den nächsten Jahren gelegt. Die Aussichten werden von den Fachleuten der Branche nachhaltig als günstig beurteilt. Auch das Jahr 2006, für das im vergangenen Jahr noch eine Wachstumsdelle prognostiziert wurde, wird heute in einem anderen, positiveren Licht gesehen.
Meine Damen und Herren, am Ende des Umbaus hat die TUI zwei ertragsstarke Geschäftsfelder, die auch künftig weiter wachsen werden. Wir werden auch weiterhin alles daran setzen, ihre Ertragskraft voll auszuschöpfen.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
