TUI Aktiengesellschaft
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Rede des Vorstandsmitglieds der TUI AG Reiner Feuerhake Hauptversammlung am 18. Mai 2004

Rede des Vorstandsmitglieds der TUI AG Reiner Feuerhake Hauptversammlung am 18. Mai 2004

Es gilt das gesprochene Wort

Meine Damen und Herren,

wie von Herrn Dr. Frenzel bereits angekündigt möchte ich Ihnen nun die wesentlichen Positionen und Veränderungen des Konzernjahresabschlusses 2003 etwas detaillierter darstellen und erläutern.

Anwendung neuer IAS Standards

Meine Damen und Herren, die Jahresabschlüsse des TUI Konzerns in den letzten Jahren waren wesentlich geprägt durch den Umbau unseres Geschäftsportfolios. Dies trifft - insbesondere mit Hinblick auf den Verkauf des Energiebereiches - auch für den Abschluss des Geschäftsjahres 2003 zu. Hierbei haben die ständig neuen Konzernstrukturen Vergleichbarkeit und Transparenz nachteilig beeinflußt. Wir haben uns deswegen entschlossen bereits für 2003 die überarbeiteten Rechnungslegungsvorschriften IAS 1 (revised) anzuwenden, welche erst ab dem 01.01.2005 verpflichtend werden, damit sichergestellt wird, dass mit dem sich abzeichnenden Ende des Konzernumbaus keine weiteren Einflüsse die zukünftige Vergleichbarkeit unserer Abschlüsse beeinträchtigen.

Ein wesentliches Merkmal des überarbeiteten IAS-Standards ist eine neue Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung. Im Detail ist dies unter anderem der Entfall von Zwischensummen wie Betriebsergebnis und Ergebnis der Sparten (EBTA). Die Gewinn- und Verlustrechnung enthält jetzt nur noch eine Summenangabe: Das Ergebnis vor Ertragssteuern (EBT).

Unsere Segmentberichterstattung haben wir dagegen deutlich erweitert. Hier finden Sie jetzt eine umfassende Überleitung der finanzwirtschaftlichen Ergebniskennzahlen, vom Ergebnis vor Ertragsteuern (EBT) über das Ihnen bekannte Ergebnis der Sparten (EBTA) bis hin zu kapitalmarktorientierten Größen wie EBITDA und EBITDAR.

Darüber hinaus haben wir unseren Lagebericht um zusätzliche Kenngrößen der einzelnen Geschäfte erweitert und erstmalig die Allokation der Geschäfts- und Firmenwerte auf unsere Segmente vorgenommen.

Diese Segmentierung der Geschäfts- und Firmenwerte war auch Basis für deren Bewertung in 2003 - darauf komme ich später noch einmal ausführlich zurück.

TUI in Zahlen

Nach den Ausführungen zu den Neuerungen und Besonderheiten im Abschluss 2003 nun zu den Kennzahlen des Konzerns. Das Ergebnis der Sparten (EBTA) erreichte mit 913 Millionen Euro den höchsten Wert den das Unternehmen bisher erzielt hat. Eine Veränderung, die wichtig für die Beurteilung unseres Ergebnis der Sparten des Jahres 2003 ist, resultiert dabei aus dem erstmaligen Ausweis der betrieblichen Steuern in diesem Ergebnis.

Das Ergebnis der Sparten erreichte, wie bereits dargestellt 913 Millionen Euro. Nach alter Rechnung hätte es 956 Millionen Euro betragen und wäre damit um 43 Millionen Euro höher ausgefallen. Die Differenz besteht aus den betrieblichen Steuern im Wesentlichen saldiert mit Goodwill-Abschreibungen auf at-equity-bewertete Unternehmen.

Der Konzernumsatz war mit 19,2 Milliarden Euro um 5,4 Prozent niedriger als im Vorjahr. Der Rückgang resultierte hauptsächlich aus einem geringeren Umsatz im Handel.

Erfreulich ist, dass wir den Jahresüberschuss des Konzerns nach 41 Millionen Euro im Vorjahr auf 315 Millionen Euro deutlich steigern konnten. Das Ergebnis je Aktie stieg auf 1,54 Euro nach 0,18 Euro im Vorjahr. Dabei haben wir für alle erkennbaren Risiken Vorsorgen getroffen um zukünftige Ergebnisbelastungen so weitgehend wie möglich zu vermeiden.

Ergebnis der Sparten

Nun kurz noch einmal zur Ergebnislage der Sparten, über die Dr. Frenzel bereits im Einzelnen berichtet hat, und der Renditeentwicklung:

Im Geschäftsjahr 2003 haben sich positive und negative Entwicklungen in unseren Sparten weitgehend die Waage gehalten.

So konnte das Ergebnis in der Touristik zwar nicht an das Vorjahresergebnis heranreichen, übertraf aber mit 208 Millionen Euro letztlich sogar noch leicht die Erwartungen, die man nach dem äußerst schlechten ersten Halbjahr haben konnte.

Unser zweites Geschäft, die Logistik schloss ein erfolgreiches Jahr mit einem Ergebnis von 314 Millionen Euro ab. Das ist das bisher höchste Ergebnis dieser Sparte. Insbesondere die Schifffahrt blickt auf ein sehr gutes Jahr zurück und erzielte mit einem Ergebnis von 253 Millionen Euro eine neue Rekordmarke.

Vor dem Hintergrund der erreichten Spartenergebnisse lag die Eigenkapitalrendite des Konzerns mit 33 Prozent rund 15 Prozentpunkte über dem Vorjahresniveau. Die operative Performance-Kennzahl "Return on Invested Capital" - definiert als das Spartenergebnis vor Zinsen im Verhältnis zum verzinslichen Kapital - konnte sich von zehn Prozent in 2002 auf nunmehr 18 Prozent in 2003 verbessern. Hierin spiegeln sich unsere erfolgreichen Anstrengungen zur Reduktion unserer verzinslichen Kapitalbasis über die Rückführung unserer Verschuldung wider.

Erlauben Sie mir zum Abschluss meiner Ausführungen zu den Sparten noch einige Worte zum Ergebnis des Bereiches Sonstige/Konsolidierung.

Wesentlichen Einfluss auf seine Höhe hatte das Abgangsergebnis aus dem Verkauf des Energie-Bereichs. Insgesamt haben die Desinvestitionen des Geschäftsjahres 2003 zu Erträgen von 930 Millionen Euro geführt. Davon entfielen 730 Millionen Euro auf den Verkauf der Preussag Energie GmbH und 200 Millionen Euro auf den Verkauf der indirekten Beteiligung an der Ruhrgas AG. Demgegenüber standen naturgemäß Zinsaufwendungen, Corporate-Center-Kosten der TUI AG sowie Vorsorgen für bereits erfolgte und geplante Desinvestitionen. Insgesamt betrug das abgerechnete Ergebnis 359 Millionen Euro.

Geschäfts- oder Firmenwerte (Goodwill)

Wie Eingangs bereits angekündigt nun noch einige Worte zu der Zuordnung der Geschäfts- oder Firmenwerte zu den einzelnen Segmenten und ihre aktuelle Bewertung. Sie ist Voraussetzung dafür, das wir im Zusammenhang mit geänderten IAS-Vorschriften ab dem ersten Quartal 2004 keine planmäßigen Goodwill-Abschreibungen mehr vorzunehmen haben und wirkt sich damit auf die zukünftige Entwicklung des Konzernjahresüberschusses positiv aus.

Mit der gesellschaftsrechtlichen Neuordnung und der Fokussierung der Logistik auf die Schifffahrt geht der Wandel des Konzerns seiner Vollendung entgegen. Die Geschäftsstrukturen in unserem Kerngeschäft Touristik sind gefestigt und in der Logistik ist absehbar, welche Einheiten langfristig zum Konzern gehören werden. Erst auf dieser Grundlage und damit auch erst im Konzernabschluss 2003 konnten wir die Geschäfts- oder Firmenwerte sachgerecht aufteilen.

Dabei haben wir die Geschäfts- oder Firmenwerte Einheit für Einheit einem strengen Impairmenttest unterzogen. Bei den Maßstäben, die wir für diese Tests angelegt haben, haben wir uns auch davon leiten lassen, dass der zukünftig anzuwendende Impairment-only-Ansatz keine planmäßigen Abschreibungen auf Geschäfts- oder Firmenwerte mehr vorsieht.

Auf Grund der Ergebnisse unserer Impairmenttests haben wir neben den planmäßigen Abschreibungen der Geschäfts- oder Firmenwerte in Höhe von 284 Millionen Euro außerplanmäßige Wertminderungen von 383 Millionen Euro vorgenommen. Insgesamt betrugen die Abschreibungen auf Geschäfts- oder Firmenwerte, die ergebniswirksam geworden sind, 667 Millionen Euro.

Die außerplanmäßigen Wertminderungen betrafen fast ausschließlich den Bereich Europa Nord unserer Touristik-Sparte, und hier in erster Linie unser Geschäft in den Nordischen Ländern. Diese Wertminderung haben wir trotz eines aus heutiger Sicht deutlich verbesserten Geschäftsverlaufes angesetzt.

Besonders wichtig ist mir aber folgender Hinweis: Unsere Kerngeschäfte in den großen Märkten Deutschland und Großbritannien - mit den Marken TUI und Thomson Holidays - haben ihre Impairmenttests mit Bravour bestanden. Das heißt im Klartext: Die Preise, die wir bei ihrem Erwerb bezahlt haben, sind auch heute noch gerechtfertigt.

Infolge der Zuordnung der Geschäfts- oder Firmenwerte auf die Sparten waren als weitere Neuerung in unserem Konzernabschluss die Geschäfts- oder Firmenwerte in der Landeswährung der erworbenen Tochterunternehmen zu bilanzieren. Dies führte zu einer zusätzlichen erfolgsneutralen Reduzierung der Geschäfts- oder Firmenwerte um 371 Millionen Euro. Betroffen davon waren vor allem die Geschäfts- oder Firmenwerte des Bereichs Europa Nord, bedingt durch die Kursverluste des britischen Pfund gegenüber dem Euro seit Erwerb, insbesondere im Geschäftsjahr 2003.

Bilanz/Verschuldung

Nach diesen Ausführungen zur Ertragslage sowie zu den Neuerungen bzw. Besonderheiten im Abschluss 2003 möchte ich nun zur Konzernbilanz kommen:

Die Bilanzsumme des Konzerns ging um 16 Prozent auf 13 Milliarden Euro zurück. Ausschlaggebend für diesen Rückgang waren vor allem die Veränderungen des Konsolidierungskreises und die erfolgte Bewertung des Goodwill.

Das Eigenkapital des Konzerns beträgt 2,8 Milliarden Euro und liegt damit bedingt durch die erfolgsneutrale Fremdwährungskorrektur des Goodwill um 0,4 Milliarden Euro unter dem des Vorjahres. Die Eigenkapitalquote konnte sich jedoch insgesamt um 0,8 Prozentpunkte auf nunmehr 21,3 Prozent verbessern.

Die Verbindlichkeiten reduzierten sich insbesondere durch die Tilgung von Finanzschulden um 1,5 Milliarden Euro auf 8 Milliarden Euro. Erlauben Sie mir an dieser Stelle noch einige Anmerkungen zu unserer Finanzposition.

Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr unsere Politik, die Akquisitionen zum Auf- und Ausbau unseres Kerngeschäftes Touristik durch Desinvestitionen der industriellen Aktivitäten zu refinanzieren, konsequent fortgesetzt. Aus dem Verkauf des Energie-Bereichs haben wir hohe Erlöse erzielt. Dieses Geld haben wir eingesetzt, um die Verschuldung, die wir in der Phase der Umstrukturierung des Konzerns bewusst in Kauf genommen haben, weiter deutlich zurückzuführen.

Das Ergebnis sehen Sie in unserer Bilanz: Wir haben im Geschäftsjahr 2003 die Netto-Verschuldung um 1,6 Milliarden Euro auf 3,8 Milliarden Euro gesenkt.

Unsere Entscheidungen, unsere Logistik auf Schifffahrt zu konzentrieren, diese zu einem Teil an die Börse zu bringen und uns von den übrigen Aktivitäten in der Logistik zu trennen, wird weitere Finanzmittel generieren.

Nach allen Desinvestitionen, die wir eingeleitet haben oder noch planen, wie zum Beispiel im Handel, sehen wir unsere Netto-Verschuldung unter 2 Milliarden Euro. Das wollen wir im Laufe des nächsten Jahres erreichen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.